Der Reformationstruck macht Station in Goslar

Stationenweg des Reformationstrucks

Bildergalerie vom Reformationstruck in Goslar am 1. Dezember 2016

"Die Marktkirchen-Bibliothek Goslar - Schatzkammer der Reformationszeit"

Dieser Vortrag fand am 1. Dezember 2016 im Rahmen des Europäischen Stationenweges zur Reformation statt.

Bildergalerie vom Vortrag

Video aus dem Reformationstruck zum Thema Ablassplakat

Am Abend des 1. Dezember fand im Anschluß an das Tagesprogramm des "Stationenweges" (Führungen, Reformationstruck) ein weiteres Highlight in der Marktkirche statt. Unter dem Titel "Die Marktkirchen-Bibliothek Goslar - Schatzkammer der Reformationszeit" , fand ein Vortrag von Propst i.R. Helmut Liersch, welcher als Beauftragter die Bibliothek betreut, statt. Diese Bibliothek hat in den letzten Jahren des öfteren von sich Reden gemacht mit Artikeln, welche das Wort "Alleinstellungsmerkmal" enthielten.
In dem Vortrag wurde deshalb auf die Bibliothek im Allgemeinen und die Alleinstellungsmerkmale im Speziellen eingegangen. Die neueren Informationen wurden u.a. durch Zusammenarbeit von Helmut Liersch mit Prof. Dr. Ulrich Bubenheimer, einem Handschriftenexperten aus Heidelberg gewonnen. So wurde, pünktlich zum Reformationsjubiläum als Alleinstellungsmerkmal, ein Original-Ablassplakat aus der Reformationszeit entdeckt, welches als Buchbindepapier mit der bedruckten Seite nach innen in einem Buch in der Bibliothek versteckt war. Eine reife, kriminalistische Leistung!.
Weitere einzigartige Stücke in der Bibliothek sind das Erfurter Enchiridion aus dem Jahre 1524, das weltweit älteste und einzig noch vorhandene Gesangbuch. Außerdem befindet sich auch eine Septembertestament von 1522 in dem Bestand der Bibliothek. von diesem Buch gab es 3000 Exemplare, 1% sind noch vorhanden. Ein Brief von Martin Luther an die Jacobi-Gemeinde befindet sich ebenfalls im Bestand.
Als weitere interessante Erkenntnis aus den Forschungen, ist die Entdeckung der Bibliothek des ehemaligen Franziskanerklosters (Hinter den Brüdern/Greifplatz) in Goslar in den Beständen der Marktkirchenbibliothek zu nennen. Das Kloster (Gründung ca. 1200) wurde im Zuge der Reformation geschlossen, die Bettelmönche hatten keine Einkünfte mehr. Das gleiche Schicksal ereilte viele Priester, welche durch Abschaffung der Heiligenverehrung einen Wegfall der Pfründe erlitten.
Als wichtiger Punkt wurde ausgeführt, dass ein großer Teil der Bücher aus der Reformationszeit in der Marktkirchenbibliothek aus Halberstadt stammt, als Schenkung der Anwaltes Andreas Gronewald. Gronewald war ein Vertrauter des Kardinals Albrecht von Brandenburg und blieb katholisch. Trotzdem war er den reformatorischen Ideen zugetan, und er legte eine entsprechende Bibliothek an, die er aber unter dem (katholischen) Druck der Ereignisse in Halberstadt 1535 zu einem befreundeten Superindenten Weidensee nach Goslar bringen ließ.

Im Verlauf des fast 1 stündigen Vortrages, der völlig frei, sowie mit Begeisterung und Identifikation mit dem Thema (und immer mit einer Prise Humor) gehalten wurde, kamen noch viele weitere interessante Informationen und Anekdoten aus der Reformationszeit in Goslar zur Sprache. Die Zuhörer dankten Propst i.R. Liersch mit lang anhaltendem Beifall.