Altar der Marktkirche

Der Barockaltar von 1659 ist ein geschnitztes Glaubensbekenntnis des Protestantismus. Über Abendmahl, Kreuzigung und leerem Grab gipfelt die Altarwand im auferstandenen Christus mit der Siegesfahne. Diese Bildfolge gehört seit der Reformation, die den Kreuzestod Christi in den Mittelpunkt rückte, zum fest umrissenen Themenkatalog protestantischer Altaraufbauten.
In der Marktkirche, in der in vorreformatorischer Zeit 13 Altäre standen, beherrscht der Pyramidenaltar, gestiftet von der Familie Holtzmann, geschnitzt von Andreas Gröber (1600/1610 - 1662), den Hohen Chor. Mit dem Bildschnitzer hatten sich die Stifter einen nicht nur regional bekannten Künstler ausgewählt. Gröber (seit J. Salzwedel statt Andreas Duder überliefert) schnitzte im Harzraum die Kanzel für den Goslarer Dom, Altar und Kanzel für die Hauptkirche in Clausthal und St. Ägidien in Osterode. Seine künstlerischen Spuren durchziehen jedoch den gesamten Raum zwischen Lüneburg, Celle und Hannoversch-Münden.
Bei dem großen Brand der Marktkirche im Jahr 1844 blieb der über neun Meter hohe Pyramidenaltar wie durch ein Wunder erhalten. Jedoch gab man ihm beim Wiederaufbau der Kirche die Form eines über die gesamte Breite des Chors reichenden "Lettneraltars", eine für diese Region seltene Form. Sie überdauerte von 1847 bis 1989. Bei dem Umbau 1847 gingen die beiden Schächer zur Rechten und zur Linken des Kreuzes Christi verloren, vor allem aber wurde der ikonographische Zusammenhang gestört.
Das war einer der Gründe, den Altar Ende des 20. Jahrhunderts wieder in seine ursprüngliche Form zurückzuführen, nun aber nicht mehr wie seit 1907 farbig gefasst, sondern holzsichtig.
Noch klingt die Renaissance in diesem Altar nach. Gesimse und Friese dienen der Abgrenzung der einzelnen "Stockwerke"; Säulen, Pilaster und ornamentale Schnitzereien schenken ihm die vielgestaltig-lebendige Silhouette.

In der Predella, der unteren Altarzone, ist das Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern dargestellt, so wie es Martin Luther grundsätzlich empfohlen hatte: Falls jemand Lust habe, "tafeln auff den Altar lassen zu setzen, der solte lassen das abendmahl Christi malen". Kein besseres Gemälde sei denkbar, weil "der Altar dazu geordnet ist, das man das Sacrament drauff handeln solle".

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