Der Prophet Amos - ein früher Prophet

Beitrag für den Gemeindebrief (2003) der Marktgemeinde

Der Prophet Amos lebte im 8. Jahrhundert v. Chr. und ist damit einer der frühesten Propheten. In dieser Zeit war das jüdische Territorium in 2 Staaten geteilt, nämlich den Nordstaat Israel (wichtige Orte: Samaria, Bethel, Gilgal) und den Südstaat Juda (Jerusalem, Hebron, Beerseba).
In Israel herrschte König Jerobeam von 782-753, in Juda König Usijas von 767-740 v. Chr. Die Staaten befinden sich in einer Zeit des wirtschaftlichen Wohlstandes und einer florierenden Wirtschaft.
Amos stammte aus dem Südreich -Juda aus der Stadt Tekoa in der Nähe von Jerusalem. Er war Besitzer von Rinderherden und züchtete Maulbeerbäume. Ca. 750 v.Chr. tritt er, gesandt von Jahwe, im Nordreich auf; d.h. er predigte nicht in seinem Heimatland Juda.
Charakteristisch für seine Texte ist eine stark ausgeprägte Gesellschafts- und Sozialkritik an den Verhältnissen in Israel, die meistens in einer sehr drastischen und unverblümten Art vorgetragen wird.

Zum Inhalt des Amos-Buches

Das Buch beginnt mit den Völkersprüchen (Am 1,3-2,16) Es werden Kriegsverbrechen der Nachbarvölker angeprangert; dabei handelt es sich u.a. um die Bewohner von Syrien (Aram), Irak (Bet-Eden), Jordanien (Ammoniter) sowie auch des Gazastreifens (Philister).

So spricht Jahwe: Wegen drei Freveltaten von Gaza und wegen vier werde ich es nicht rückgängig machen: Weil sie Gefangene in voller Zahl weggeführt haben, um sie an Edom auszuliefern, so werde ich ein Feuer senden in die Mauer von Gasa, und es wird seine Paläste verzehren; und ich werde den Bewohner ausrotten aus Asdod, und den, der das Zepter hält, aus Askalon; und ich werde meine Hand wenden wider Ekron, und der Überrest der Philister wird untergehen, spricht der Herr, Jahwe.

Hier ist der Vergleich zu der heutigen politischen Situation interessant, an den Beziehungen zu den Nachbarvölkern hat sich nicht viel geändert. Amos will damit zum Ausdruck bringen, daß Jahwe als nationaler Gott die Verbrechen der Nachbarvölker ahndet. In diesem Zusammenhang werden hier auch allgemein verbindliche Menschenrechte definiert.

Religionsgeschichtlich interessant ist noch die Tatsache, dass eine Reihe der Kapitel des Amos nicht von ihm selbst, sondern von später lebenden Zeitgenossen verfasst wurden. Dies nennt man "deuteronomistische Geschichtsschreibung" aus der späteren Zeit des Exils und danach.

Im nächsten Teil Am 2,4f. 6-16 hält Jahwe durch Amos Gericht über das eigene Volk Juda und Israel. Hier werden kultische Vergehen und religiöses Fehlverhalten, wie z.B. Götzenverehrung, der führenden Schichten und soziale Mißstände angeprangert. So wurden damals und auch schon früher unter Salomo Götterverehrung im Tempel praktiziert. Amos greift soziale Ungerechtigkeiten auf wie z.B. den Luxus der Reichen auf der einen Seite bei gleichzeitiger Ausbeutung der Armen auf der anderen (Prophetische Sozialkritik).

So spricht Jahwe: Wegen drei Freveltaten von Israel und wegen vier werde ich es nicht rückgängig machen: Weil sie den Gerechten für Geld und den Dürftigen um ein Paar Schuhe verkaufen; sie, welche danach lechzen, den Staub der Erde auf dem Haupte der Armen zu sehen, und den Weg der Sanftmütigen krümmen; und ein Mann und sein Vater gehen zu derselben Dirne, um meinen heiligen Namen zu entweihen; und neben jedem Altare strecken sie sich hin auf gepfändeten Oberkleidern, und im Hause ihres Gottes trinken sie Wein von Strafgeldern.

In Am 3-4 redet Gott (Jahwe) selbst. Wichtig ist hier das Programmwort des Amosbuches: Am 3,2 welches die Erwählung des israelitischen Volkes zeigt.

Dieser Satz ist einer der wichtigsten Aussagen im Buch Amos.


Euch allein habe ich von allen Sippen der Erde erkannt; darum ahnde ich an euch alle eure Verschuldungen.

Die unausweichlichen Folgen, nämlich der Untergang des Staates Israel, der mit der Eroberung 722 durch die Assyrer ein Ende fand, werden vorhergesagt. Derartige Unheilsankündigungen waren natürlich auf Dauer in Israel nicht erwünscht - und so wurde Amos wegen verschwörerischer Umtriebe des Landes verwiesen und mußte nach Juda zurückkehren:

Am 7,10-14 Amos wird aus Bethel ausgewiesen:

Da sandte Amazja, der Priester von Bethel, zu Jerobeam, dem König von Israel, und ließ ihm sagen: Amos hat eine Verschwörung wider dich angestiftet inmitten des Hauses Israel; das Land wird alle seine Worte nicht zu ertragen vermögen; denn so spricht Amos: Jerobeam wird durchs Schwert sterben, und Israel wird gewisslich aus seinem Lande weggeführt werden. Und Amazja sprach zu Amos: Seher, geh, entfliehe in das Land Juda; und iß dort dein Brot, und dort magst du weissagen. Aber in Bethel sollst du fortan nicht mehr weissagen; denn dies ist ein Heiligtum des Königs, und dies ein königlicher Wohnsitz. Und Amos antwortete und sprach zu Amazja: Ich war kein Prophet und war kein Prophetensohn, sondern ich war ein Viehhirt und las Maulbeerfeigen.
Interessant ist auch der versöhnliche Schluss des Buches in dem als Verheißung das zukünftige Heil des Gottesvolkes prophezeit wird. Am 9,11 ein Text, der vermutlich nach der Katastrophe eingefügt wurde von Gläubigen, die die Wahrheit der Prophetie des Amos erkannt hatten:

Zu selben Zeit werde ich die verfallene Hütte Davids wieder aufrichten und ihre Risse vermauern und was abgebrochen ist, wieder aufrichten, und ich werde sie bauen wie sie vorzeiten gewesen ist.

Amos kann als einer der ersten großen Sozialkritiker angesehen werden. Das Buch ist deshalb, trotz seines Alters von 2800 Jahren, immer noch jung und zeitgemäß - nur drückt man sich heute in politischen Kreisen (meistens) gepflegter aus.

Hartmut Hädrich