Amsdorfwoche in der Marktgemeinde



Unsere Amsdorfwoche - so recht nach Luthers Geschmack!

Er hätte mit der Zunge geschnalzt und mit Käthe darauf angestoßen …

Wenn Dr. Martin Luther von unserem Jubiläum - 50 Jahre Amsdorfhaus - gehört hätte, 480 Jahre nach Einführung der Reformation in Goslar, so hätte er sich über diese evangelische Blüte mitten in der Welterbestadt heftig gefreut, vermutlich - und er hätte seinen Freund, Nikolaus von Amsdorf, ohne Zögern ein zweites Mal auf die Reise nach Goslar geschickt. Dieses Mal hätte Herr von Amsdorf einen Brief von Luther im Gepäck gehabt, in dem der Reformator aus Wittenberg die wahrhaft evangelische Gestaltung der Festwoche lobt und der Marktgemeinde herzliche Grüße übermitteln lässt.

In diesem Brief hätte er außerdem seinen Besuch für den Festgottesdienst zum Reformationstag 2009 angekündigt, mit dem Wunsch, in der Marktkirche St. Cosmas und Damian eine Dialog-Predigt mit seiner Ehefrau Katharina von Bora halten zu dürfen. Predigtthema: "Die Bedeutung des Römerbriefes für die Klärung von Glauben, Vertrauen und Gnade oder die Freiheit eines Christenmenschen" - 481 Jahre nachdem Nikolaus von Amsdorf das "Geschenk der Reformation" nach Goslar brachte.

In dieser Dialog-Predigt würden seine Ehefrau Katharina und er selbst sich sicherlich auch zur Bedeutung der "Bibel-in-Gerechter-Sprache" für die "moderne" Reformation äußern und den männlich dominierten Gottesbegriff thematisieren. Außerdem läge dem Mann aus Wittenberg sehr daran, die Bibel als die einzige Quelle für die christliche Orientierung des zeitgenössischen Menschen zu verankern.

Zurück zur 50-Jahr-Feier in der Marktgemeinde vom 29.Oktober bis zum 2. November 2008 in Amsdorfhaus und Marktkirche.

Der Festausschuss des Kirchenvorstandes hatte mehrfach getagt, das Programm der Festwoche stand und die zahlreichen Einladungen waren nicht nur an die Gemeindeglieder selbst, sondern auch an alle Bewohnerinnen und Bewohner des Bezirks der Marktgemeinde mit Hingabe und Freude verteilt. Auch die Mitglieder des Kirchenvorstandes hatten sich auf die Straßen und in die Gassen begeben, um alle Briefkästen zu erreichen.

Das markante Banner mit dem Schriftzug "50 Jahre Amsdorfhaus - die Marktgemeinde feiert" prangte am Amsdorfhaus und die Schaukästen an der Marktkirche und vor dem Amsdorfhaus waren festlich geschmückt. Geistlichkeit und Ehrenamt hatten die Goslarer Öffentlichkeit über die sehr interessierte lokale Presse umfassend und pointiert auf die Bedeutung von Nikolaus von Amsdorf für die Reformation in Goslar eingestimmt und den Zusammenhang zur Marktgemeinde erläutert. Kurzum: alles war vorbereitet für ein fünftägiges Fest zur Einführung der Reformation in Goslar. Gefeiert wurden die von Nikolaus von Amsdorf übermittelten theologischen Vorstellungen Martin Luthers, die durchaus als revolutionär bezeichnet werden können.

Am Mittwoch starteten wir zum Auftakt mit einem Doppelpack: am Nachmittag mit den Seniorinnen und Senioren: die drei Begrüßungen haben die SeniorInnen sehr genossen, geschäftsführende Pfarrerin, der Vorsitzende des Kirchenvorstandes und der Propst fanden angemessene Worte. Der anschließende Vortrag von Frau Antje Krüger ließ die Augen der gesamten Gruppe von fast vierzig Menschen glänzen ob der bedeutenden Vergangenheit des Namensgebers des Amsdorfhauses, welches sie jede Woche mit Leben erfüllen.

Am Abend dann der Vortrag von Dr. Michael Beyer zum Thema: Nikolaus von Amsdorf und Martin Luther. Fazit: Sie wurden (vermutlich) im gleichen Jahr geboren, kannten sich sehr gut, begleiteten sich als Freunde fast ein Leben lang und waren gleichermaßen stark und kraftvoll in ihrer Klarheit bezüglich Notwendigkeit und Perspektive der Reformation.

Am zweiten Tag war der Theologische Gesprächskreis von Propst Liersch in die Amsdorfwoche eingebettet, dieser Kreis, der in Seminarform Bibeltexte auf die Ursprünge zurückführt, interpretiert und immer wieder auf die zentralen Fragen des Christseins hinführt, hatte an diesem Abend ein paar "Schnupper-Gäste", die sich der nachhaltigen Faszination dieser Veranstaltungsreihe des Propstes hingeben wollten.. Sogar ein Ehepaar aus Berlin, touristisch in Goslar unterwegs, hatte sich in großer Erwartung eingefunden.

Der dritte Tag war ein erster Höhepunkt unserer Festwoche und zwar in Form des Festgottesdienstes zur Reformation in der Marktkirche mit der Goslarer Kantorei. In diesem gut besuchten Gottesdienst gründeten Pfarrerin Liebl, Pfarrer Beims und Propst Liersch unser Evangelisch-Sein mit sehr unterschiedlichen Texten - und das in einer Form, die unsere protestantische Identität berührte und stärkte. Die drei Geistlichen brachten jeweils einen von ihnen eingeleiteten Text zu Gehör, so dass die Weite und der Anspruch deutlich wurden, die das evangelische Profil heute prägen. So war ein Text von Martin Luther zu hören, der die Intensität des persönlichen Glaubens repräsentierte und konfrontiert mit Auszügen des Schuldbekenntnisses von Papst Hadrian IV an die reformatorischen Anfänge erinnerte. Ein Auszug einer der letzten Reden von Dorothée Sölle erinnerte an die prophetisch-politische Verantwortung, ein Abschnitt eines Vortrags des EKD-Ratsvorsitzenden Wolfgang Huber lenkte das Augenmerk auf die zukünftigen Herausforderungen der Evangelischen Kirche.

Wer diese Predigt gehört und den Gottesdienst miterlebt hat und dazu die szenische Darstellung von Propst Liersch und Pfarrer Beims zur Ankunft von Nikolaus von Amsdorf in Goslar im Jahre 1528 mit der kritischen Distanz der damaligen Goslarer Geistlichkeit gesehen hat, der wird - auch als ökumenisch orientierter Christ - in seiner protestantischen Gründung vergewissert den Festgottesdienst verlassen haben.

Das Kultur-Café am Samstagnachmittag als Fest für Gemeinde und Gäste strotzte geradezu vor Vielfalt der Marktgemeinde in punkto Gesang, Bühnendarbietung und sowie christlicher Gemeinschaft und spannte einen sehr unterhaltsamen und anregenden Bogen zwischen dem Auftakt mit den Bläsern und Bläserinnen der Marktgemeinde und dem Laternenfest der KiTa zum Abschluss.

Pfarrerin Liebl zeichnete kurz die Geschichte des Amsdorfhauses nach und formulierte programmatisch: "Das Amsdorfhaus soll ein Haus bleiben und weiter werden, in dem sich Menschen begegnen, die vom Glauben angerührt sind. Ein Haus - nicht nur der Marktgemeinde - sondern ein offenes Haus. Ein Haus, in dem diskutiert wird und gesungen, in dem gelehrt und auch gefeiert wird." Dazwischen entfaltete sich das gesamte Spektrum der Marktgemeinde von Frauenhilfe über die Goslarer Kantorei bis zum poppigen Tanz der Kita-Kinder, denen es durch ihre Freude an Musik und Bewegung gelang, alle Festgäste zum Mittanzen zu animieren.

Spätestens in diesem Kultur-Café und dem anschließendem Laternenfest am frühen Abend wurde deutlich, dass auch die Marktgemeinde - als "Leuchtfeuer" in der Stadt - unterwegs ist. Goslar ist nicht nur Weltkulturerbe, sondern auch und gerade im aktuellen kirchlichen Leben Ausdruck eines starken evangelisch-geistlichen Erbes und zukunftsorientiert in Glauben und Tun.

Selbst nach diesen Lichtpunkten war die Jubiläumswoche noch nicht zu Ende. Am Sonntag warteten noch zwei Leckerbissen auf Gemeinde und Gäste: zum einen der wunderbare Vortrag von Propst Liersch zu Pfarrer und Superintendent an der Marktkirche Georg Heinrich Henrici als Matinee direkt nach dem Gottesdienst; zum anderen der LiteraTurm - an diesem Tag in der Marktkirche und nicht wie gewohnt im Nordturm oder in der Johanniskapelle. Es ging inhaltlich um die "Tischreden" von Dr. Martin Luther unter dem Titel "Protest am Tisch - dem deutschen Volk aufs Maul geschaut", gelesen von Imogen Liersch und Dierk Landwehr und musikalisch einfühlsam und markant begleitet von Propsteikantor de Vries an Orgel und Klavier sowie gar trefflichen Gesangseinlagen von Pfarrer Ralph Beims. Ja, das Evangelium Luthers und Amsdorfs lebt und entwickelt sich auch und gerade in krisenhaften Zeiten, wie sie auch in Goslar deutlich zu spüren sind.

Ein herzliches Dankeschön allen, die an diesem 50-jährigen Jubiläum des Amsdorfhauses der Marktgemeinde in der Vorbereitung und Gestaltung sichtbar und unsichtbar mitgewirkt haben, zur Freude der Menschen und zum Lob Gottes.

Dierk Landwehr








Wer war eigentlich Nikolaus von Amsdorf?

In der Dorothea-Borchers-Straße liegt das Gemeindehaus der Marktkirchen-Gemeinde: Das Amsdorf-Haus. Wie kommt das Haus zu seinem Namen, wer war der Namensgeber? Es ist Nikolaus von Amsdorf, der 1528 in Goslar die Reformation einführte.

Nikolaus von Amsdorf wurde am 3. Dezember 1483 in Torgau als Sohn einer Adelsfamilie geboren. Ab 1497 hielt er sich in Leipzig auf, wo er die Thomasschule besuchte und anschließend an der Hochschule Philosophie studierte. 1502 ging er an die neu gegründete Universität nach Wittenberg, schloss das philosophische Studium ab und begann Theologie zu studieren. Ab 1513 bekleidete er das Amt des Rektors der Hochschule Wittenberg. Er freundete sich mit Luther an und bekannte sich zu dessen reiner Lehre. Die Verbindung zu Luther wird immer enger und so beteiligte er sich ab 1517 auch an der Reformationsbewegung. Er sollte ihr eifrigster Verfechter werden. Luther begleitete er zu vielen Religionsgesprächen und zum Reichstag nach Worms (1521). Er war ebenfalls in die Entführung Luthers auf die Wartburg, die zu seiner Sicherheit vorgenommen wurde, eingeweiht. 1524 wird Amsdorf nach Magdeburg berufen, wo er als Superintendent das Kirchenwesen im lutherischen Sinne ordnete. 1528 übernahm er für zunächst vier Wochen diese Aufgabe in Goslar.

In Goslar herrschten zu der Zeit viele Unruhen. 1525 waren die aufständischen Bauern unter Thomas Müntzer, Florian Geyer und Götz von Berlichingen vernichtend geschlagen. Sie hatten die reine Predigt des Evangeliums und die Aufhebung der Leibeigenschaft gefordert. Luther hatte sich von ihnen mit seiner Schrift "Wider die mörderischen und räuberischen Rotten der Bauern" deutlich abgesetzt.

1527 hatten die hungernden, seit Monaten infolge der Bergwerks- und Hüttenstilllegungen um ihre Existenz bangenden Menschen das vor der Stadt liegende Kloster St. Georg, das Stift St. Peter, die Kirche im Bergdorf und die Kommende Zum Heiligen Grabe zerstört. Sie wollten dadurch verhindern, dass sich an diesen günstig gelegenen Punkten der vor der Stadt mit seiner Heeresmacht lagernde Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig-Wolfenbüttel festsetzt. Schon lange hatte es Streit mit diesem Herzog gegeben, der als streng anitlutherisch gesinnt, die Herausgabe der Bergrechte verlangte. Mit seinem Heer setzte er sich dann im Kloster Riechenberg fest und erhob Klage vor dem Reichskammergericht gegen Goslar wegen des landfriedensbrecherischen Kirchenfrevels. Das führte zur Reichsacht Goslars (1540), deren Verwalter eben dann jener Herzog Heinrich der Jüngere wurde.

Wir schreiben das Jahr 1528. Einige Geistliche versuchten, in Goslar das Evangelium nach lutherischem Verständnis zu predigen, wurden aber von der konservativen Geistlichkeit und dem Rat der Stadt erfolgreich bekämpft. Auf die Dauer aber konnte der Rat sich nicht gegen den Willen und die Bestrebungen der Bevölkerung durchsetzen. So wandte sich der Rat an den Rat der Stadt Magdeburg mit dem dringenden Ersuchen, einen tüchtigen Prediger zu schicken, der das Wort Gottes "rein und lauter" verkündigen kann. Magdeburg entsprach der Bitte und sandte Nikolaus von Amsdorf. Dieser war dort seit 1524 Kaplan und Prediger an der St.-Ulrich-Kirche. Er wurde auf vier Wochen entliehen, um in Goslar der "großen Drangsal" abzuhelfen. Am 8. März 1528, am Sonntag Reminiscere, hielt er in der Marktkirche seine erste Predigt. Dieses Datum gilt noch immer als der Beginn der Reformation in Goslar.

Die erste evangelische Gottesdienstordnung für Goslar ist noch erhalten und in Heft 1 "Die Zeit der Reformation" in: Quellen zur Geschichte der Stadt Goslar nachzulesen (Eigenverlag des Geschichtsvereins Goslar)

Was bedeutet nun aber Reformation? Im 15. Und 16. Jahrhundert erschütterten viele Ereignisse die Menschen. Es war das Zeitalter Michelangelos, Machiavellis, der Medici. Kolumbus entdeckte Amerika, Heinrich VIII. lässt seine Frauen und Thomas Morus köpfen. Es ist aber auch die Zeit der Renaissance, des Humanismus, Dürers, Kopernikus, Paracelsus und nicht zuletzt der Fugger, bei denen Kaiser und Päpste mit immensen Summen in der Kreide standen. Es ist die Zeit der Belagerung Wiens durch die Türken und vor allem Luthers. Mit seinen 95 Thesen und in vielen Schriften prangerte er den Ablasshandel an. Das Wort Gottes sollte in einer Sprache verkündet werden, die die Menschen verstehen, also in deutsch. Bis dahin war die Gottesdienst-Sprache Latein.

Amsdorf wollte schon nach drei Wochen seiner reformatorischen Tätigkeit in Goslar zurück nach Magdeburg. Er ließ sich durch luthertreue Gemeindeglieder bitten, seinen Aufenthalt trotz versteckten Widerstandes in den Gemeinden um weitere drei Wochen zu verlängern. Nach seinem sechswöchigen Aufenthalt war die Abschaffung der Messe durchgesetzt und die Reformation auf den Glauben, Christus und die Schrift vollzogen. Durch ihn war der Boden bereitet und 1570 wurden durch Herzog Julius von Braunschweig die letzten Klöster reformiert.

Amsdorf wirkte mit seinem Eintreten für die reine Lehre auch in Einbeck und Meißen. Er beteiligte sich als unnachgiebiger Vertreter der lutherischen Anschauungen in vielen Religionsgesprächen. 1542 wurde er als Superintendent im Naumburger Dom als evangelischer Bischof eingeführt. Er erfüllte die für damalige Bischöfe erforderlichen Bedingungen: er war ein guter Theologe, aus adliger Familie und - unverheiratet. Seinen Wohnsitz nahm er in Zeitz auf dem dortigen Schloss, wo ihn Luther mehrmals besuchte.

Nach der Niederlage des Schmalkaldischen Bundes (1547) musste er sein Amt aufgeben. Er führte seinen Kampf für die Durchsetzung der Reformation von Weimar, Magdeburg und Eisenach weiter aus. 1557 kam es zum völligen Bruch mit Melanchthon, der bis dahin ebenfalls sein Wegbegleiter war.

Am 14. Mai 1565 verstarb er halb erblindet, taub und stumm in Eisenach. Dort befindet sich vor dem Altar der Georgenkirche sein Grab. Eine Büste Nikolaus von Amsdorf, ursprünglich in der Marktkirche, befindet sich jetzt im Amsdorfhaus.

Antje Krüger



Das Amsdorfhaus - 50 Jahre jung

50 Jahre jung ist in diesem Jahr das Amsdorfhaus. Für den architektonisch bewanderten Zeitgenossen verrät das Gemeindehaus der Marktgemeinde bereits von außen sein Erbauungsjahrzehnt: die späten 50er Jahre! Auch im Innern zeugen noch zahlreiche Ausstattungselemente, wie z.B. die Lampen im Foyer, von dieser Zeit.

50 Jahre jung ist in diesem Jahr das Amsdorfhaus. Für den architektonisch bewanderten Zeitgenossen verrät das Gemeindehaus der Marktgemeinde bereits von außen sein Erbauungsjahrzehnt: die späten 50er Jahre! Auch im Innern zeugen noch zahlreiche Ausstattungselemente, wie z.B. die Lampen im Foyer, von dieser Zeit. Die älteren Goslarer erinnern sich sicherlich an den Vorgängerbau, an das stattliche Pfarr- und Gemeindehaus an der Kaiserpfalzwiese, das dann dem Neubau der Pfarrhäuser und der Goslarer Wohnstätte weichen musste. Der Neubau aus dem Jahr 1958 wurde ein großes Haus, genauer gesagt ein Haus mit einem auch für die damalige Zeit großem Saal. Dadurch wurde die Vision manifestiert, dass in der Dorothea-Borchers-Straße ein Veranstaltungsort entstehen sollte, der nicht nur von der Marktgemeinde genutzt, sondern ein zentraler Ort für die evangelischen Gemeinden Goslars werden sollte.

Das ehemalige "Marktgemeindehaus" trägt auf Beschluss des Kirchenvorstandes seit 1965 (vierhundert Jahre nach Amsdorfs Tod!) den Namen "Amsdorfhaus", um das Andenken des Reformators der Stadt Goslar weiterhin wach zu halten. In der Goslarschen Zeitung vom 30. Oktober 1965 heißt es wörtlich:

"Die Bezeichnung "Amsdorf-Haus" soll uns Nachfahren im Nebel alter und neuer religiöser und politischer Schwärmerei zum reformatorischen Kurs verpflichten. In einer Neujahrspredigt Amsdorfs heißt es: "Christliche Kirche steht nicht in Singen, Lesen, Essen, Trinken, Kleiden so oder so, sondern im rechten Glauben und rechter Liebe." (…) Die Benennung des Hauses Dorothea-Borchers-Straße 14 soll schließlich anzeigen, dass der großzügige Bau nicht allein der Marktgemeinde, sondern allen Gemeinden des Stadtkirchenverbandes Goslar sowie allen kirchlichen Werken zu Sitzungen, Versammlungen und Veranstaltungen aller Art offen steht."

Dieses hehre Ansinnen hat sich bis heute erfüllt. Neben der Marktgemeinde hat die Goslarer Kantorei im Amsdorfhaus ihre Heimat. Auch das Büro von Propsteijugenddiakon Mario Rieke und damit die Propsteijugend sind hier vor Ort. Die benachbarte Kita Zum Markte nutzt den großen Saal als Turnhalle, wie auch zahlreiche Frauen für ihre Fitnessübungen. Die Kabarettgruppe der Propstei probt auf der Bühne und das Rote Kreuz lädt regelmäßig zu Blutspenden ein. Als einziger kirchlicher Raum in der Innenstadt bietet das Amsdorfhaus genügend Raum für die Synoden der Propstei oder ähnlich große Veranstaltungen.

Seit der Innenrenovierung der Marktkirche im Jahr 2000 hat die Amsdorfbüste, die als Geschenk der Stadt Goslar einst in der Marktkirche an die Reformation in Goslar erinnerte, im Foyer des Amsdorfhauses ihren neuen Platz gefunden.

Ralph Beims



Reformationsgottesdienst am 31. Oktober 2008

Am Reformationstag fand ein sehr interessanter Gottesdienst in der Marktkirche statt. Die Reformation in Goslar wurde in nicht ganz authetischen (humoristischen) Dialogen zwischen Nikolaus von Amsdorf (Pfarrer Beims) und dem damaligen Gemeindepfarrer (Propst Liersch)- nur echt mit dem Plüschadler auf der Schulter, nachvollzogen.

In Beiträgen von Propst Helmut Liersch nach Originalzitaten von Luther sowie dem Schuldbekenntnis von Papst Hadrian IV. 1523 auf dem Nürnberger Reichstag (siehe "Instruktion" im Link) , von Pfarrerin Karin Liebl eindrucksvoll nach Texten von Dorothee Sölle ( u.a. Religion ist nicht...) und von Pfarrer Ralph Beims über das Perspektivpapier "Kirche der Freiheit" wurde beispielhaft das Wesentliche und die Bedeutung der Reformation damals und heute deutlich gemacht.

Ein besonderes Erlebnis war - wie immer, wenn sie auftreten - die Kantorei mit ihren wundervoll gesungenen Liedern.

Hartmut Hädrich
Fotos: Hartmut Hädrich


Dem deutschen Volk aufs Maul geschaut...
Texte von Martin Luther u.a.





Am 2. November fand in der Marktkirche ein sehr stimmungsvoller Abend im Rahmen der von Imogen Liersch und Dierk Landwehr ins Leben gerufenen und durchgeführten Veranstaltungsreihe "Literaturm 122" statt. Die Rezitatoren lasen besinnliche, belehrende, feinsinnige, fröhliche und witzige, deftige und kräftige und nicht zuletzt relgiöse Texte (überwiegend) von Martin Luther (auch eine Einleitung von Johann Wolfgang von Goethe).

Für jede Lebenslage gab es Ratschläge vom großen Reformator, meistens nach nach dem Motto des Abends "Dem Volk aufs Maul geschaut".

Der Abend bekam eine besonders stimmungsvolle Note durch die musikalische Begleitung des Programms durch Ralph Beims (Gesang), der mit seiner wunderbaren Stimme die Zuhörer in seinen Bann schlug, sowie Gerald de Vries an der Orgel und Tasteninstrument. Er entlockte seinen Instrumenten, der Stimmung in der Kirche angepasst, meditative ruhige, Klänge (Der Mond ist aufgegangen) aber auch neben Kirchenliedern durchaus weltliche Klänge (Begleitung von Ralph Beims zu "Dein ist mein ganzes Herz") und eine kurze Inprovisation aus Anatevka (If I were a rich man) als Übergangsmusik zu dem Kapitel "Reichtum und Bescheidenheit", welches bekanntermaßen zur Zeit hochaktuell ist.

Es wurde viel geboten an diesem Abend: Lebensberatung, Spaß und Humor, Besinnung, Meditatives und wundervolle Musik und Gesang.

PS.: Ein Glas Wein gab´s auch zum Schluß - den soll Luther ja auch nicht verachtet haben.

Text und Fotos: Hartmut Hädrich

Luthersprüche, zitiert in der Veranstaltung

"Man muss nicht den Buchstaben in der lateinischen Sprache fragen, wie man deutsch reden soll, wie diese Esel tun; sondern muss die Mutter im Hause, die Kinder in der Gassen, den gemeinnen Mann auf dem Markte fragen. Und man muss denselben aufs Maul schauen, wie sie reden. Dann soll man dolmetschen. So verstehen sie es und merken, dass man deutsch mit ihnen redet."

"Es gehört dazu ein trefflicher Mann, der ein Löwenherz habe, unerschrocken die Wahrheit zu schreiben."

"Hier stehe ich. Ich kann nicht anders. Gott helfe mir, Amen!"

"Niemand hat die Weisheit so vollkommen ausgeschöpft, dass er keiner Übung und Lehre mehr bedürfte."

"Danach richte dich, dass du nicht sobald den Nächsten anderswo verleumdest und ihm nachredest, sondern ihn heimlich vermahnest, dass er sich bessere."

"Wenn wir täten, was wir sollten, so gäbe Gott uns auch, was wir wollten."

"Die Welt gibt so, dass die rechte Hand gibt, die linke Hand aber wieder nimmt."

"Man tut besser, wenn man dem Nächsten einen Pfennig gibt, als wenn man Petrus eine goldene Kirche baut."

"Armut tut wehe! Armut tut wehe, darum gebe, wer geben kann."

"Denn Streit ist bald angefangen, es steht aber nicht in unserer Macht aufzuhören."

"Wir haben lange Zeit Friede gehabt und gute Tage, bis wir zu geil und zu kitzlig geworden sind, nicht mehr wussten, was Frieden und gute Tage waren."

"Der Bauch ist aller Religionen gewaltigster Abgott."

"Wer den Leuten in der Welt will wohltuen, der muss damit rechnen, Undank zu verdienen."

"Wenn der Herrgott keinen Spaß verstünde, so möchte ich nict in den Himmel."

"Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz."