Wandmalerei mit Darstellung des 6.Gebotes - Du sollst nicht ehebrechen - von 1480

Die durch Fensterdurchbrüche und frühere Übermalungen stark zerstörten mittelalterlichen Wandmalereien an der Südseite wurden im Jahre 1938 bei der Entfernung der Emporen in beiden Querschiffen entdeckt. Volkstümlich derb in der Aussage, künstlerisch hochstehend in der Ausführung illustrieren sie die ersten sieben der Zehn Gebote.

Ursprünglich dürfte es sich um drei Reihen von je sieben Bildern gehandelt haben. Unten war jeweils die Erfüllung des Gebotes - heute verloren, in der Mitte die Übertretung - heute sichtbar, oben je eine "ägyptische Strafe" (2. Mose 7) für die Übertretung - nur noch teilweise erhalten, abgebildet. Ob die hier fehlenden Gebote seitlich oder weiter unten auf der Wand angebracht waren, oder ob sie mangels Platz einfach weggelassen wurden, ist nicht geklärt.

Bildtafeln wie diese um 1480 entstandenen dienten der Unterweisung über den Inhalt der Gebote und zur Warnung vor den Angriffen des Teufels, der mehrfach in Tiergestalt als Anstifter auftaucht. Ungewöhnlich sind die teilweise erhaltenen Inschriften: es handelt sich um Reime in niederdeutscher Sprache, wie sie im 15. Jahrhundert in Goslar gesprochen wurde. Das in der Kirche übliche Latein wurde vermieden: der Inhalt sollte von der Bevölkerung verstanden werden.

Die Inhalte der einzelnen Bildtafeln:

1. Gebot ("keine anderen Götter haben"):Anbetung des Goldenen Stierbildes (2. Mose 32)
2. Gebot ("den Namen Gottes nicht missbrauchen"):David schwört, Nabal umzubringen (1. Samuel 25)
3. Gebot ("den Feiertag heiligen"): Arbeit am Feiertag
4. Gebot ("Vater und Mutter ehren"):Kinder greifen ihre Eltern an
5. Gebot ("nicht töten"):Ein Mann schlägt mit dem Schwert auf den Gegner ein
6. Gebot ("nicht ehebrechen"): Ehebruch siehe Bild
7. Gebot ("nicht stehlen"): Diebstahl

Auch in der einzigen erhaltenen romanischen Apsis, in der bis zum Jahre 1938 der Treppenaufgang zur Empore untergebracht war, wurden bei den Restaurierungsarbeiten Wandmalereien gefunden. Ihre Deutung ist schwierig; möglicherweise ist die Verklärung Christi (Markus 9, 2-8) dargestellt, dem gemäß ihm zur Seite Elia und Mose, dazu Jünger.

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