Wort zum Sonntag am 18.09.2010

Helfen

"Ich schaffe es nicht allein - ich brauche Hilfe." Diese Worte auszusprechen, ist nicht einfach. Es kostet Mut und Überwindung. Im spektakulärsten Fall kommt dann Verona Pooth als "Engel im Einsatz" und aktiviert Nachbarn und Freundinnen, um zu helfen. Dann macht sich ein ganzes Engelsheer von Hilfswilligen an die Arbeit. Den Geholfenen verschlägt es am Ende einer Einsatzwoche ganz sicher die Sprache, wenn sie ihr von Grund auf verändertes Heim in Augenschein nehmen. Aber auch den Ruf nach der in Erziehungsfragen rettenden Supernanny oder dem heilsamen Schuldenberater verfolgen wir im Fernsehen seit Jahren mit Anteilnahme. Und wir sind immer wieder dabei, wenn so manches marodes Restaurant wieder flott gemacht wird.

Es sind Tragödien des Alltags, die uns da gezeigt werden. Und dann kommen Experten und Helfer und wenden die Lage. Daher sehen wir Geschichten, die fast immer gut ausgehen. Und das rührt uns tief an. Wie schön ist es doch, wenn Menschen in ihrem Elend geholfen wird! Vielleicht ist es diese emotionale Rührung, die uns solche Doku-Soaps mitverfolgen lässt. Vielleicht sind wir auch froh darüber, dass andere offenbar noch größere Probleme haben als wir selber.

Als hilfreich erweist sich in den meisten Fällen ein sehr ehrlicher, nüchternder Blick auf die Lage. Und dann folgt eine ganz klare Ansage, wie das Elend zu wenden ist!

Ich sehe in diesen Hilfsaktionen neben all dem Medienrummel auch etwas Christliches. Es ist wie eine Erinnerung daran, dass wir nicht allein auf der Welt sind, sondern ganz dicht um uns Nachbarn - Nächste - wohnen haben.

Nachbarschaftshilfe heißt: Ja, ich kann etwas für dich tun, ich kann abgeben von meinen Fähigkeiten, meiner Zeit, meinem Reichtum. Wenn ich meine Stärken einsetze, gewinne ich selbst dabei. "Was ihr einem meiner Brüder und Schwestern getan habt, das habt ihr mir getan", sagt Jesus. Nach diesem Prinzip arbeiten zum Beispiel die Alltagshilfen der Diakonischen Beratungsdienste.

So kann jede und jeder einem anderen zum Engel, zur Himmelsbotschafterin werden. Worauf warten wir noch?

Karin Liebl, Pfarrerin der Marktgemeinde.



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