Kunst in der Marktkirche

Die Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Übergänge - eine thematische Ausstellung in der Marktkirche

Rede von Herrn Detlef Hänsel BBK

Bildergalerie von der Ausstellung

Am Sonntag d. 15.März 2015 wurde in der Marktkirche die Ausstellung "Übergänge - Leben und Tod" eröffnet, eine thematische Ausstellung der regionalen Gruppe des Bundes Bildender Künstler Harz. Die Ausstellung stieß auf reges Interesse, so dass die Kirche praktisch voll besetzt war. Die Gruppe stellte schon einmal vor 7 Jahren zu einem ähnlichen Thema in der Marktkirche aus siehe Archiv Kunstausstellungen. Die Anzahl der ausstellenden Künstler hat sich gegenüber 2008 von 11 auf 16 erhöht, wobei 2 Künstler schon damals dabei waren.

Nach einer Begrüßung durch Pfarrer Ralph Beims, stellte Herr Detlef Hänsel die Künstler/innen vor und gab einen Überblick über die Ausstellung. Herr Hänsel hatte u.a. als kinetisches Objekt "Amor" einen "Spendensammelautomaten" konstruiert, der für die Spende von 1 Euro die Flügel schwingen ließ (siehe Bildergalerie).

Die Austellung zeigt treffend die Vielfalt, Ausdruckstärke und künstlerische Qualität der Arbeit der anwesenden Künstler.

Wie schon 2008 kann man in Anlehnung an Goethe konstatieren "Willst du in die Ferne schweifen, sieh das Gute liegt so nah.."

Herzlichen Dank an die ausstellenden Künstlerinnen und Künstler und den Kunstausschuss der Marktgemeinde für diese ganuz besondere Ausstellung.

Hartmut Hädrich



Kreuzweg … in 7 Stationen

Holzschnitte von Konrad Schmid

9. März bis 27. April 2014, Marktkirche Goslar

Eröffnung: Sonntag, 9. März 2014, 11.30 Uhr

Konrad Schmid ist bei der Matinee zur Eröffnung anwesend

Die sieben Holzschnitte (Format 40x40 cm) versteht der Künstler Konrad Schmid aus Passau als eine Einladung zur Meditation in der Passionszeit.

Im einleitenden Text heißt es: Karfreitag kettet die beiden wichtigsten Kirchenfeste unlösbar aneinander. An Karfreitag endet das Leben des Menschen Jesu, das in der Weihnacht begann. Und Karfreitag bereitet das eigentliche Oster-Wunder vor, die Auferstehung des Gottessohnes. Einer alten kirchlichen Tradition folgend wollen wir Sie einladen, den vorliegenden Kreuzweg mit seinen sieben Stationen meditierend entlang zu gehen.

Die 7 Stationen hat der Künstler mit sieben Worten untertitelt:

Verurteilt - Bereitschaft - Ohnmacht - Begegnung - Zerrissen - Ausgeliefert - Leben

Konrad Schmid wurde 1959 in Rotthalmünster in Niederbayern geboren. Nach der Schriftsetzerlehre arbeitete er als Buch-, Offsetdrucker und Grafiker in verschiedenen künstlerischen Drucktechniken. Ab 1987 konzentriert er sich auf den Holzschnitt. Er arbeitet seit 1992 als freischaffender Künstler in Hartkirchen bei Passau. In der Drei-Flüsse-Stadt Passau ist er mit seinem Atelier DRUCKart präsent.

Seit 1988 zeigt er seine Arbeiten in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland.

"Nicht mit der Fülle der Farben und Formen, die das Auge hinreißen und überschwemmen, möchte ich Begeisterung wecken, sondern mit ganz entgegengesetzten Mitteln, mit Andeutungen, mit Abstraktion und Reduktion.

Diese Ästhetik verschiebt die Betonung von der äußeren Form auf einen geheimeren inneren Gehalt, der keine Schranken kennt und sich ins Endlose erstreckt.

Schönheit entfaltet sich nur im freien Raum, selbst geringe und alltägliche Dinge gewinnen an Bedeutung, wenn der Raum sie umspült. (Konrad Schmid)

Konrad Schmid kennt Goslar aus seiner Zeit an der Sommerakademie des Bildungshauses Zeppelin am Steinberg, dort hat er von 1998 bis 2005 als Dozent Kurse für Holzschnitt geleitet.

Dierk Landwehr





Elisabeth Stumpf - Brunnen der Liebe (Fountain of Love)


Am Freitag, den 12. April 2013 wurde in der Marktkirche Installation und Ausstellung bei Anwesenheit der Künstlerin eröffnet.


Bildergalerie von der Vernissage

Vita Elisabeth Stumpf

Konzept der Ausstellung

Ausgangspunkt der Arbeit von Elisabeth Stumpf ist die idealisierte Landschaft der Romantik. Caspar David Friedrich, der bedeutendste deutsche Maler jener Zeit, sah die Natur als Spiegelung menschlicher Empfindungen und ersuchte das Unerreichbare, Göttliche darzustellen.

Die München geborene Künstlerin studierte von 2005-12 an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig und erhielt unter anderem im Jahre 2008 den Förderpreis des Zontaclub St. Barbara in Goslar.

In den letzten Jahren finden sich in ihren Installationen immer wieder auch bunte Plastikblumen. Auf der Homepage von Elisabeth Stumpf heißt es erläuternd: "Sie fallen von oben als Bild des Glücks und sind in Wirklichkeit an Nylonfäden festgemacht, damit sie in der Schwebe bleiben. Es sind Hochzeitsblumen und Grabschmuck zugleich, Geschenke an die Geliebte und verworfene Liebesmühe. Felsen und Berge aus Gips und Stoff bezaubern uns allein durch die Vorstellung davon, die wir im Kopf haben."

Solche Blumen werden auch in der Marktkirche zu sehen sein. Dadurch werden inmitten einer Zeit, in der die Schöpfung bedroht ist und in der keine allgemeine Erlösung aufscheint Bilder und Stimmungen wachgerufen, die jeder und jedem existentiell vertraut sind, die aber im oft fremdbestimmten und beschleunigten Alltag ihre Eindeutigkeit und Wirklichkeit verloren haben.

Wir erhoffen uns durch die Installation eine Reaktion hervorzurufen, über unseren Umgang mit Trauer und Glück, mit Abschied und Hoffnung in Frage stellt.

Ralph Beims

Eröffnungsrede von Pfarrer Ralph Beims am 12.4.2013




Ausstellung "Urfaust" in der Marktkirche und der Galerie Stoelzel-Tiedt

Am Am 7. Oktober 2012 fand die Vernissage der Ausstellung "Urfaust" mit Zeichnungen und Malerei des Universalkünstlers Armin Mueller-Stahl ind er Marktkirche und der Galerie Stoelzel-Tiedt (Stubengalerie) statt.

Seine Popularität als Schauspieler (u.a. Die Manns, Buddenbrooks) führte dazu, dass die Kirche schon vor Beginn der Veranstaltung bis auf den letzten Platz besetzt war.

So würde der Künstler, der nicht nur Schauspieler ist, sondern auch malt, zeichnet und Gedichte schreibt, auch gebührend in Empfang genommen.

Pfarrer Ralph Beims, der für die "Kunst in der Marktkirche" zusammen mit dem Kunstausschuss verantwortlich zeichnet, begrüßte den Künstler. Anschließend wurde er von Oberbürgermeister Junk mit einer kurzen, aber humorvollen Ansprache im Namen der Stadt willkommen geheißen.

Falko Hausknecht, ehemals Lehrer im Ratsgymnasium, hielt in Vertretung von Propst Gunkel (erkrankt), eine lierarisch-philosopische Einführung in den "Urfaust", bei der er einen Bogen vom jungen Goethe bis zu Goslarer Schüleraufführungen dieses Werkes schlug. Sehr interessant!

Danach gab Antje Stoetzel-Tiedt eine Einführung in das graphische Werk Armin Mueller-Stahls und zum Schluß rezitierte der Künstler noch sein tiefsinnig, satirischen Gedicht "Der Gaukler" (You tube Video siehe unten ), was mit tosendem Beifall und Begeisterung quittiert wurde.

Gerald de Vries überzeugte durch gekonnte musikalische Untermalung der Veranstaltung auf der neuen Schuke-Späth Orgel.

Zu sehen sind Lithografien und Malerei.

Bildergalerie von der Vernissage

Fotos in der Galerie und Text: Hartmut Hädrich







"Bilder zu Passion und Auferstehung"

von Wolfgang Spittler

Kreuzweg-Szenen als Ausdruck "menschlicher Verstrickungen"

11. März - 1. Mai 2011 in der Marktkirche, täglich 10.00 - 17.00 Uhr

Vernissage am Freitag, 11. März 2011 um 18.00 Uhr

Einladung zur Ausstellung: Wolfgang Spittler "Bilder zu Passion und Auferstehung"


Alle acht großformatigen Öl-Bilder wurden 2010 zum ersten Mal während der Passionszeit in der Klosterkirche Drübeck gezeigt. Damit hat Wolfgang Spittler seinen Kreuzweg-Zyklus, angeregt durch die Ausstellung "Tod und Leben" 2008 in der Marktkirche, von vier auf acht Werke erweitert.

Bei der Eröffnung der Ausstellung wird Wolfgang Spittler in seine "Szenen der Passion und Auferstehung Christi" einführen, da er eine besondere Nähe zu den handelnden biblischen Figuren empfindet. Er erkennt in ihrem Verhalten Verbindungslinien zu lebensgeschichtlichen Erfahrungen von uns Menschen.

Auf die Frage, ob er ein religiöser Mensch sei und was ihn zu diesem christlichen Thema gebracht habe, teilt Spittler mit, dass sein Vater Kantor und Chorleiter in der Lutherkirche in Bad Harzburg war, er selbst set über sein literarisches Interesse und seine kirchenmusikalischen Prägungen durch das Elternhaus zu den biblischen Geschichten gekommen.

Zwei Klinikaufenthalte in verschiedenen Lebensphasen haben ihm, in mehreren Schritten, den Zugang zur Bibel geöffnet: 1956, im Alter von 30 Jahren, griff er, nachdem er sich bereits mit "einem Stapel Krimis" die Zeit vertrieben hatte, zu der Roman-Tetralogie von Thomas Mann "Joseph und seine Brüder" und war voll entflammt: "es ist richtig spannend und berührt das Herz", sagt er. Und dann - rund 40 Jahre später, etwa Mitte der 90er Jahre - während eines längeren Klinikaufenthaltes, sagte er sich, "ich kann ja mal die Bibel lesen", und Spittler tat es, er las die Bibel von den Schöpfungsberichten an bis zur Offenbarung des Johannes, "vielleicht nicht alles aber fast alles", lässt er sich entlocken. "Und so erfuhr ich, was einem ein Pastor niemals erklärt", sagt der Kunsterzieher, Künstler und Musiker Spittler schmunzelnd und zufrieden angesichts seiner umfassenden und intensiven Bibellektüre.

Auf diesem Weg kam W. Spittler 2008 anlässlich der Ausstellung "Tod und Leben" zu seinen Kreuzweg-Bildern, zunächst vier Szenen, die dramatische menschliche Konfliktsituationen darstellen am "Rande des großen Dramas", wie der Künstler es nennt, der Verurteilung und Kreuzigung Jesu.

Spittlers Bilderreihe, inzwischen acht Szenen, ist angelehnt an kirchliche Kreuzwege zu ausgewählten Stationen der Passionsgeschichte und Auferstehung, von ihm verstanden als "Weg aus Ängsten und Verstrickungen hin zur befreiten Zuwendung zum Leben".

Die Entwürfe waren zunächst als Holzschnitte konzipiert, wurden dann aber angesichts der Wandmaße der Marktkirche als Malerei in größere Formate übersetzt. Der ursprünglich gedachte Holzschnitt bleibt erkennbar und bestimmt den markanten Charakter der Ölbilder. In scharf geschnittenen und bewegt-bewegenden Formen bekommen die Figuren einen dramatischen Charakter. In dieser - für Spittler typischen - Bildsprache entfalten die emotionsgeladenen und ausdrucksstarken Szenen der Passion und des Ostermorgens eine besonders intensive Wirkung. Ergreifende menschliche Begegnungen ziehen uns an und beziehen uns ein - in die hochdramatischen Ereignisse.

Wir können uns in den handelnden Personen wiederfinden, in Rollen und Verhaltensmustern, die wir aus eigener Lebensanschauung kennen, wie z.B. in Judas oder Petrus, den Kriegsknechten oder Maria von Magdala vor dem Grab. Spittler versteht seine Passionsbilder nicht als Illustration der Ereignisse sondern als Skala menschlicher Verhaltensweisen und Verstrickungen: "die Schreckensgeschichte des Leidens Christi bildet den Kern, aber die Dramen am Rande, mit denen jeder und jede von uns konfrontiert ist, gehen uns noch mehr an." Die Brisanz kommt für ihn durch die Verbindung zur eigenen Lebensgeschichte: "wir finden uns selbst darin wieder!"

Und - da der Maler Spittler auch Musiker ist, von der Ausdruckstiefe der Passionsmusik Bachs tief berührt, möchte er als bildender Künstler "halbwegs mitkommen mit der Passionsmusik von Bach" in seinem bildnerischen Ausdruck und - spricht dann langsam, wie zu sich selbst: "Du wirst es nicht schaffen, aber die Anstrengung und Bemühung muss in diese Richtung gehen; wenn du schon so etwas machst wie Passionsbilder, muss etwas rüberkommen, was die Leute angeht."

Auf die Frage: "In welcher Figur finden Sie sich wieder, Herr Spittler?" zögert er nicht, nennt Pilatus als "schillernde Figur, in der man sein eigenes Verhalten wiederfindet" und ergänzt, "die Pilatus-Rolle spielt man zu oft selbst, man setzt sich immer wieder zwischen die Stühle."

Besonders beschäftigt W. Spittler das "Wunder der Auferstehung", er drückt es im siebten und achten Bild seiner Reihe aus und mahnt sich und uns: "Rührt nicht an die Wunder, lasst sie auf sich beruhen, hinterfragt sie nicht!" Die biblischen Wunder haben für den Künstler aus Alt Wallmoden "etwas Schönes und Tröstliches, berühren eine tiefere Schicht in uns, sind ein Geheimnis", für ihn durch Engel symbolisiert, die das Geheimnis bewahren und schützen.

Dierk Landwehr



Petra-Förster-Ausstellung in der Marktkirche

Petra Förster ist keine Frau der lauten Töne und der grellen Gesten. Die Werke von Petra Förster wirken wie aus einem Bilderbuch ausgeschnitten. Die naturalistischen oder leicht stilisierten Skulpturen und Objekte sind mit kräftigen Farben versehen.

Petra Förster ist zurzeit künstlerische Mitarbeiterin am Institut für Elementares Formen der Technische Universität Braunschweig und seit 2003 Lehrbeauftragte für die Grundlehre Industrie Design an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig.

ICH SEHE WAS WAS DU NICHT SIEHST

Menschen-Figuren beleben als "Gäste auf Zeit" den sakralen Begegnungsraum

Seit dem 20. August werden Arbeiten von Petra Förster in der Marktkirche präsentiert. Es sind Menschen-Figuren in unserer Kirche zu Gast, die bis zum Reformationstag verweilen, den sakralen Raum mitprägen.

Neben der Büste des verstorbenen Papstes Johannes Paul II. sind eine junge Chinesin, ein markanter Afrikaner, ein buddhistischer Tibeter und ein singender Junge im Gotteshaus zu finden; außerdem eine zu Stille einladende Installation zu Psalm 23 im Nordschiff. Und - nicht zu vergessen, die (Harzer) Zwergen-"Sippe" in der Ecke der Taufkapelle, jeder Zwerg für sich ein individueller Typ; seine spezielle Rolle und Bedeutung in der Sippe hat die Künstlerin durch Größe, Körperausdruck und Kleidung gestaltet. Gerade in der Bergbautradition des Harzes spielten die "Zwerge" als Ausdruck von Kinderarbeit eine wichtige und leidvolle Rolle. Eine Video-Installation komplettiert die Kunstausstellung mit dem Titel "Ich sehe was was du nicht siehst".

Petra Förster ist künstlerische Mitarbeiterin am Institut für Elementares Formen der Technischen Universität Braunschweig und seit 2003 Lehrbeauftragte für die Grundlehre Industrie Design an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig.

Sie ist eine Künstlerin, die den Menschen in ihren Figuren ihre Eigenarten lässt, die Unterschiede der Menschen als Reichtum betrachtet, als Ausdruck einer vielfältigen Kulturenwelt; eine Sichtweise, die einlädt, das eigene Menschenbild zu reflektieren. Manche Skulpturen sind in Wachs geformt, die meisten in Ton modelliert, mit Engobe farbig gefasst und gebrannt.

Die Figuren sind in der Marktkirche so platziert, dass sie nicht nur mit uns als Betrachter und Betrachterin kommunizieren, sondern sich auch untereinander in Beziehung setzen. Sie bringen kräftige Farben, markante Merkmale und eine ganz eigene Präsenz in die Beziehungen. Petra Förster geht es um das Charakteristische, das Besondere, das Einmalige, alles Elemente, die Begegnungen und Beziehungen prägen, fördern und bereichern können: so der kritische, vielleicht skeptische Blick der chinesischen Studentin "Yingmai" in Richtung christlicher Altar, der Gesichtsausdruck des aufrecht-würdig wirkenden Afrikaners "" und - etwas entfernt davon "Karmaja Rigpe Dorje", der buddhistische Tibeter, sich seiner selbst bewusst.

Durch die Verbindung zum umgebenden kirchlichen Raum werden wir Betrachtenden in die Aura der Menschen-Figuren einbezogen, Mensch und Kunst-Figur begegnen einander. Deutlich wird dies auch bei der Papst-Figur "Il Papa" im örtlichen Gegenüber zur Kanzel: fühlt er sich im evangelischen Gottesdienst von den Predigten angesprochen, hört und horcht er Gottes Wort, versteht er seine Anwesenheit als Kunst-Figur als Einladung zum ökumenischen Gespräch, zu einem Dialog auf Augenhöhe?

Oder "Anton" - der Sohn der Künstlerin als Chorknabe - das Gesicht gen Himmel gerichtet, die Augen geschlossen, nach innen gewandt, den Mund zu stummem Gesang weit geöffnet. Welch ein Moment, wenn wir im Gottesdienst, Wort und Lobgesang zugeneigt, den Blick schweifen lassen, und - bei "Anton" "hängen bleiben", seine Pose innerlich spiegeln …

In der Rauminszenierung zu Psalm 23 lädt die Künstlerin zur meditativen Aufnahme des David-Psalms im Nordschiff ein. In den vier wassergefüllten Ringen, die auf ihrem Rand den Palmtext tragen, spiegelt sich der Schlussstein des Gewölbes oder ein Kirchenfenster, je nach Standort der Betrachtung.

Petra Förster bringt christliche Symbolik, menschliche Vielfalt und moderne Sinnsuche in Beziehung. Auch ihre eigene Lebensgeschichte findet sich in ihren plastischen Werken, sie stellt zwei bestickte Kissen aus, die an das Sterben ihrer Eltern erinnern; die Inschriften für ihre Mutter und ihren Vater ziehen uns nah heran, wollen wir sie genau entziffern - und auf diese Weise in ihren Bann, emotional berührend und eingefügt in den Wirkungsraum der Psalm-Installation.

Die Grundfrage nach dem - woher kommen wir und wo gehen wir hin? - wird sichtbar, spürbar bei Petra Förster. Das Religiöse bewege jeden Künstler, so Markus Lüpertz bei der Eröffnung seiner Ausstellung in der Marktkirche im Herbst 2009. Bei der Plastikerin aus Braunschweig flackert sie in ihren Skulpturen auf, die Sehnsucht von uns Menschen, unverbrüchlich Teil des göttlichen Ganzen zu sein, endlich und unendlich essentieller Bestandteil christlichen Glaubens. So fügen sich ihre Werke moderner Kunst anregend und kraftvoll in das Gotteshaus Marktkirche ein, werden auf Zeit Teil desselben.

Die Ausstellung von Petra Förster ist in der Marktkirche Goslar bis zum 31.Oktober 2010 täglich von 10-17 Uhr zu besichtigen. Im Gottesdienst am Reformationstag um 10.00 Uhr werden die ausgestellten Arbeiten Thema der Predigt sein. Im Anschluss daran findet um 11.15 Uhr eine Finissage mit der Künstlerin in der Marktkirche statt.

Dierk Landwehr



Markus Lüpertz in der Marktkirche

Ausstellung vom 27.09. - 8.11.2009

Lüpertz, der Malerfürst, in Goslar! Der deutsche Maler Markus Lüpertz gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des Neoexpressionismus. Er gilt als einer der wichtigsten deutschen Künstler seiner Generation.

In einer Gemeinschaftsausstellung mit der Stubengalerie werden Arbeiten des weltbekannten Rektors der Düsseldorfer Kunstakademie zu sehen sein. Werden in der Stubengalerie, in der Abzuchtstraße 4, vor allem Grafiken gezeigt, so bietet die Marktkirche Raum für großformatige Arbeiten und Skulpturen.

Damit reiht sich Goslar in eine Beeindruckende Reihe von Ausstellungsorten ein. Markus Lüpertz' Skulpturen, Malereien und Grafiken wurden u.a. in Helsinki, Shanghai, New York, London, Paris und Peking gezeigt.

Bei den in der Marktkirche platzierten Kunstwerken stehen Objekte aus der bedeutenden Werkreihe "Männer ohne Frauen. Parsifal" im Mittelpunkt. Die umfangreiche Bildfolge. die der Künstler ab 1993 begann, zählt zu seinen populärsten Werkzyklen. Immer wieder malt Lüpertz in zahlreichen Varianten des Parzival. Er ist der typische Suchende, der um die letzte Erkenntnis, die absolute Wahrheit ringt. Er beginnt seine Reise tölpelhaft als Tor und wird dabei immer wieder zur Korrektur seines Denkens gezwungen.

Erinnert Lüpertz mit der Figur des Parzival auch an die deutsche Geschichte, so erhalten die Darstellungen durch den Ausstellungskontext Marktkirche eine weitere Deutungsfacette.

Ralph Beims

Untenstehende Fotos: H.Hädrich

Skulptur: Schläfer

Skulptur: Dionysos

Männer ohne Frauen - Parzival

Männer ohne Frauen - Parzival

Selbander - Große Kerze - Planet


Ausstellende Künstler:

Ursula Dorothea Brandt, Harald Breitkopf, Elke Geertz, Barbara Klix, Horst W. König, Helmut Lingstädt, Hans Manhardt, Klaus Müller, Werner Reichel, Rudolf Sattler, Wolfgang Spittler

Bilder einer Austellung

Nach dem Motto "Warum in die Ferne schweifen, sieh das Gute liegt so nah! (frei nach Goethes Gedicht Erinnerung)" hatte sich die Marktgemeinde in dieser Ausstellung den Künstlern aus der hiesigen Region gewidmet und ihnen Ort und Forum zur Präsentation ihrer Werke gegeben.

In der Eröffnungrede zu der Vernissage wies Pfarrer Ralph Beims auf die Bedeutung dieser Bilder für die Kirche und ihre Beziehung zu dem Motto "Leben und Tod" hin.

Bilder von der Schöpfung (Barbara Klix, Hohegeiß - Leben und Tod III) über Tod (Wolfgang Spittler, Alt Wallmoden - Grablegung) bis hin zu den dunkelsten Kapiteln der deutschen Geschichte (Helmut Lingstädt, Salzgitter - Erinnern) finden sich hier wieder.

Eine bemerkenswerte, unbedingt sehenswerte Ausstellung.

Bemerkenswert war aber auch, dass es der Marktgemeinde in Zeiten der allgemeinen Teuerung gelungen ist, ganz in christlicher Art, einen kleinen Ausstellungskatalog für nur 1,00 Euro anzubieten!

Hartmut Hädrich

Download PDF-Datei: Rede von Pfarrer Ralph Beims zur Ausstellungseröffnung

Die Künstler
Die Kunstinteressierten
Werner Reiche, Goslar - Reise
Hans Manhart, Bad Harzburg - Die Tafeln der 40 Köpfe
Hans Manhart, Bad Harzburg - Die Vergänglichkeit der Dinge
Wolfgang Spittler, Alt Wallmoden - Grablegung
Barbara Klix, Hohegeiß - Leben und Tod III
Helmut Lingstädt, Salzgitter - Erinnern
Fotos: Hartmut Hädrich


Eröffnungsveranstaltung "For Gods Sake" Jason Martin

Die Ausstellung fand im Mönchehaus-Museum statt, in der Marktkirche war ein Exponat ausgestellt.

"For Gods Sake" - "um Gottes Willen" … eine deutsche Übersetzung, die durchaus einen doppelte Bedeutung hat … aber eben - und das ist wichtig - den religiösen Bezug der Exponate deutlich ausweist. Für Jason Martin war es nicht eine Nebensächlichkeit, sondern wesentlich für die gesamte Ausstellung, dass diese Brücke vom Museum zu einem sakralen Raum zustande kam. Solch ein Brückenschlag vom Mönchehaus-Museum zur Marktkirche ist für uns ja nicht neu, sondern hat bereits eine längere Geschichte:

Foto: H. Hädrich

Ich erinnere an die Schreiter-Zeichnungen, die als Dauerleihgaben das Amsdorfhaus zieren. Spektakulärer sicherlich die Pendel-Installation des Künstlers axs 84, zweimal - im Nordturm der Marktkirche.

Foto: H. Hädrich

Dort waren auch die gefalteten Hände von Kriester zu sehen. Und ich denke an das Goslar-Painting 2000 von Badur, das bis heute als Schenkung des Mönchehauses im Nordschiff der Kirche zu sehen ist.

Die Marktkirche Goslar ist in gewisser Weise an sich schon ein Beitrag zum Thema "Kunst und Kirche" aus evangelischer Sicht:

Hier begegnen sich Kunstwerke aus unterschiedlichen Jahrhunderten mit dem Kunstausdruck unserer Zeit. Das künstlerische Niveau und die Intensität der Auseinandersetzung mit dem Glauben sehen wir dabei als Maßstab und Verpflichtung.

So ist es die aktuelle künstlerische Herausforderung einen zeitgemäßen und doch traditionsgebundenen und authentischen Prospekt für die Neugestaltung unserer Orgel zu entwerfen. Auch die dann wieder frei sichtbare Fensterrosette in den Abmessungen der Gotik wird selbstverständlich zeitgenössisch neu gestaltet.

Zudem heißt es im Leitbild der Marktgemeinde, dass sie Gastgeberin sein will für Kirchenmusik und (eben) Kunst. So ist in den vergangenen Jahren immer wieder zeitgenössische Kunst hier zu Gast gewesen und hat für Infragestellungen und Diskussion gesorgt. Was will man mehr?

Am 1. März werden wir hier an gleicher Stelle eine von der Marktgemeinde selbst veranstaltete Ausstellung eröffnen. Sie trägt den schlichten Titel "Tod und Leben" - und sie erstreckt sich in ihrem Ausstellungszeitraum bewusst über Karfreitag und Ostern hinweg und zeigt die Sicht von Tod und Leben von 11 Künstlerinnen und Künstlern aus der größeren Region Goslar.



Ausstellung "Elvira Bach - Meditation"

Vom 31. August - 11. November fand in der Marktkirche die Ausstellung "Elvira Bach - Meditation" statt. Nachfolgend finden Sie eine Einführung in die Ausstellung von Frau Dr.Ursula Müller sowie eine Bildergalerie.

Bildergalerie zur Ausstellung "Elvira Bach - Meditation"

Einführung in die Ausstellung

Die in Berlin lebende Elvira Bach, die in New York wie in Kopenhagen, Venedig oder Zürich ausstellt, gehört zu den bekanntesten deutschen Malerinnen. Gleichzeitig ist sie eine der wenigen Malerinnen, deren Thema die Frau ist, die selbstsichere "starke Frau" von hoher erotischer Präsenz, oft mit der Schlange als Attribut.

Elvira Bach stellt jetzt zum vierten Mal in der Stubengalerie Goslar und zum ersten Mal in der Marktkirche aus. Hier kommt es zwischen den zeitgenössischen und den alten Kunstwerken aus der Zeit der Romanik bis zum Historismus zu interessanten Begegnungen. Im Vergleich mit den Evastöchtern Elvira Bachs wirken ihr Vorbild mit dem Paradiesapfel und der Schlange am Kanzelaufgang von 1581 ausgesprochen sittsam.

Ihre Bilder haben nach eigenem Bekunden immer mit ihrem Leben und seinen verschiedenen Stationen zu tun. Deswegen agiert sie - genau wie die Goslarer Kaiserringträgerin Cindy Sherman - als ihr eigenes Modell. Kennzeichnend sind die buschigen Augenbrauen und die mandelförmigen Augen, auffällig auch die starken Arme und die großen Hände, die schrille Aufmachung, die Stilettos, die "Wehrhaftigkeit" andeuten, unübersehbar die erotische Komponente. Diese selbstsicheren Frauen wissen um Sieg und Niederlage, sie sind archetypische, überzeitliche Wesen. Das wird deutlich im Malgestus von Elvira Bach, in dem sie ihre Frauengestalten fast plakativ auf die wesentlichen Formen reduziert. Elvira Bach wurde auf der Documenta 1982 als "Junge Wilde" stürmisch feiert, und hat sich als eine der wenigen dieser Gruppe durchgesetzt, Bis heute hat sie unbeirrt von Modetendenzen und Zeitströmungen an den Grundzügen ihres Malstils festgehalten.

Das Besondere dieser Ausstellung ist der unterschiedliche Entstehungszeitraum der Bilder, die durchaus Entwicklungslinien erkennen lassen. Da mögen die Frauen noch so Bild beherrschend sein, in ihren Augen lassen sich, was die jüngeren Werke anbelangt, Trauer und Zweifel im Blick ablesen. Die früher die kräftigen Schultern noch unterstreichenden schwarzen Umrandungen treten zurück, die Farben haben wie bei dem Bild "Mit Wassergefäßen" (Querschiff) fast pastellenen Charakter oder werden im Bild "Anbetung" (am Weltkugel-Kerzenleuchter) stark zurückgenommen. Die Betende wie die "Leseratte" (Südschiff) haben einen nach innen gekehrten Blick und wirken wie Symbolfiguren für den Titel der Ausstellung "Meditationen". Das Bild "Rotes Kreuz" (Nordschiff) lebt aus dem mit großzügig weißen Linien stark konturierten schwarzen Untergrund und dem Roten Kreuz als einem Signalgeber. Die beiden Familienbilder "Psalm" und "Innig" im nördlichen Seitenschiff wiederum fallen in ihren dunklen und warmen Erdfarben, die Verbundenheit und Nähe der Familie charakterisieren, aus der für die Malerin üblichen Farbpalette heraus. Wirkungsvoll auch der Kontrast in dem fast schwarzen, an afrikanische Kunst erinnernden Bild "Wo Kinder sind, da ist ein Goldenes Zeitalter" (Nord-Seitenschiff), mit der mit Händen zu greifenden Freude über das Kind vor einem aufhellenden Horizont.

Vitalität und Sinnenlust bestimmen Elvira Bachs Frauen, die in dieser Beziehung eine engere Bindung zu den Frauen des Alten Testaments als denen des neuen Testaments haben. Auch wenn Elvira Bach kaum religiöse Themen im engeren Sinn gestaltet, wird deutlich, wie stark das von der Künstlerin zitierte "Leben" religiöse Dimensionen einschließt. So tauchen christliche Symbole wie Herz, Anker und Kreuz auf, wenn auch in der ungewohnten Form von Ohrringen. Anfänglich sah sie in ihnen vermutlich Embleme für Leichtgläubigkeit, Verliebtheit und blauäugiges Hoffen, in letzter Zeit gewinnen sie jedoch im Sinn der christlichen Botschaft die Bedeutung von Glaube, Liebe und Hoffnung: "Beständigkeit in der Zeit der Beliebigkeit" (Rainer Schossig). Beherrschend prägen diese Embleme den ornamental bemalten Körper im Bild "Glaube, Liebe, Hoffnung", (Südschiff). In einem in seiner farblichen Brillanz faszinierendem Werk mit glühendem Rot vor einer strahlend gelben Sonnenscheibe (Hoher Chor) erinnern sie von Ferne an Herz-Jesu-Bilder. Es wirkt wie ein Symbol für Vertrauen und "Auferstehung". Mit dem Titel "Kreuzweg" für das riesige Bild an der gegenüberliegende Wand wird mancher Betrachter Schwierigkeiten haben, denn ein Zusammenhang mit der christlichen Ikonographie lässt sich kaum herstellten. Vielmehr geht es um die Darstellung verschiedener Lebensstationen.

Die Schlange gehört zu den Lieblingsattributen der "Bach-Frauen" .Sie windet sich lustvoll am Körper der Frau oder endet in deren Haaren wie im einzigen farbintensiven Glasbild dieser Ausstellung (Querschiff) Die Schlange kann Schutzgeist und Wächterin, Verführerin und Todesbotin sein, aber im Gegensatz zu ihrem biblischen Vorbild im Paradies scheint bei Elvira Bach die Frau die Schlange zu bezwingen und nicht umgekehrt. Für die Malerin hat sie auch Wesensverwandtes mit der Frau. Interessant, dass in der Ausstellung der Stubengalerie in einer Bildserie die Katze mit menschlichem Gesichtsausdruck an der Stelle der Schlange diese Wesensverwandtschaft zum Ausdruck bringt.

Die Ausstellung in der Marktkirche ist in Kooperation mit der Stubengalerie an der Abzucht entstanden. Dort runden unter anderem die bisher in Goslar noch nicht gezeigten originellen Collagen die breite Schaffenspalette der Malerin ab.

Dr. Ursula Müller



Nachlese: Elvira Bach - Meditationen

Am 11.11.07 ging eine Ausstellung zu Ende, über die gesprochen wurde. Einige waren begeistert, andere empört! Die Kritik ging vor allem im Grunde in zwei Richtungen. Zum einen wurde moniert, dass in der Marktkirche diese relativ freizügigen Bilder zu sehen waren. Zum anderen wurde in Frage gestellt, dass es überhaupt Ausstellungen in Kirchen geben soll.

In der Tat muss es sicherlich nicht in jeder Kirche Ausstellungen geben. Doch die Marktgemeinde Goslar sieht die Marktkirche nicht allein als Gemeindekirche, sondern auch als "offene Kirche für Gäste und Kultur", wie es in ihrem Leitbild formuliert ist. Es gehört darüber hinaus unserer Meinung nach zum Wesen einer "öffentlichen Kirche", dass sie auch auf diese Weise am Leben und an den Diskussionen in der Gesellschaft teilnimmt. Die Ausstellung "Meditationen", die Bilder von Elvira Bach zeigt, war so zu verstehen. Damit ist sicherlich für manch einen die Härte verbunden, dass für eine bestimmte Zeit auch Bilder gezeigt werden, die nicht gefallen. In der Tat, denke ich, ist es immer wieder ein Balance-Akt, Kunstwerke in einer Kirche so präsentieren, dass Besinnung und Einkehr möglich bleiben. Das wird der Kunstausschuss der Marktgemeinde in Zukunft sehr ernst nehmen.

Ausblick in das Jahr 2008

Auch im kommenden Jahr wird es zeitgenössische Kunst in der Marktkirche geben: Vom 1. März bis zum 20. April eine Ausstellung unter dem Titel "Tod und Leben" mit Künstlerinnen und Künstlern aus der größeren Region Goslar. Vor den Sommerferien: Kunst von Kindern - ein Ausstellung der Kleinsten aus der Kita zum Markte.

Ralph Beims

"Wir nehmen die Bilder auf, lassen sie in uns hinein;
wir lassen uns - vielleicht - von ihnen berühren:
der Dialog beginnt …
und sie verlassen uns, Eindrücke bleiben zurück,
vielleicht auch eine veränderte Sichtweise
auf die Welt und auf unser Leben.
Bilder schwingen wie Glockenklang
durch uns hindurch
und zurück in die Welt:
Begegnung macht Sinn
im ‚ich und du' entsteht ein neuer Weg."
(Dierk Landwehr)