Die Schuke-Späth-Orgel in der Marktkirche Goslar

Am 9. Mai 2011 wurde unsere "alte" Schuke-Orgel (1970) ausgebaut und zum Freiburger Orgelbau in March-Hugstetten gebracht, wo sie unter der Leitung von Orgelbaumeister Tilmann Späth renoviert, erweitert und neugestaltet wurde. Der Prospekt wurde so verändert, dass die neu entworfenen Rosettenfenster (Schreiter 2011) sichtbar wurden. Die Schuke-Register wurden komplett erhalten, gereinigt, überarbeitet und neu intoniert, neue Register und ein Schwellwerk kamen dazu, um das Klangfarbenspektrum zu erweitern. Im Januar 2012 begannen die Orgelarbeiten direkt in der Marktkirche, am Ostersonntag, 8. April 2012 wurde die neue Schuke-Späth-Orgel in einem feierlichen Festgottesdienst begrüßt und eingeweiht. Seitdem erfreuen sich sowohl die Marktgemeinde, die vielen Gottesdienstbesucher und Konzertbesucher als auch viele Organisten von nah und fern, aber vor allem natürlich Propsteikantor Gerald de Vries an diesem großartigen Instrument.


Die erste CD mit Gerald de Vries an der neuen Schuke-Späth-Orgel ist beim Gästeservice in der Marktkirche erhältlich! (Für nähere Informationen und Hörprobe bitte klicken.)






Das Orgelprojekt in der Marktkirche

Die neue Orgel ist da

Te Deum Laudamus - Chorkonzert zur Einweihung der Marktkirchenorgel
Bildergalerie - Bilder von der Einweihung der Schuke - Späth Orgel am Ostersonntag
Reprtage über die Einweihung der Schuke-Späth Orgel
Rede von Pfarrer Ralph Beims zur Orgeleinweihung
Grußwort zur Orgelweihe vom Mit-Schirmherrn Sigmar Gabriel, Bundesvorsitzender der SPD
Das Festpogramm

Der Orgelaufbau in der Marktkirche

Der Abschied von der Schuke-Orgel

Das Projekt




Der Aufbau der neue Orgel der Marktkirche

Am 2.Februar wurde in der Marktkirche eine Fotosession durchgeführt, um den Besuchern unserer Homepage einen Eindruck vom Aufbau der neuen Orgel durch die Fa. Freiburger Orgelbau zu vermitteln.

So entsteht eine Orgel - Bildergalerie vom Aufbau

Intonation der Orgel am 13.3.12 Videoclip

Man bekommt jetzt schon einen Eindruck von der Größe der Orgel, auch wenn die Orgelpfeifen noch in den Ecken der Kirche stehen oder in den Kisten liegen. Einige kleinere oder mittelgroße Pfeifen sind jedoch schon in die Orgel eingebaut, was man von der Rückseite aus mit einem Blick ins Innere der Orgel sehen kann. Der Zymbelstern wurde auch schon montiert. Auffällig ist die Steuerung, die zeigt, dass auch im Orgelbau das elektronische Zeitalter Einzug gehalten hat.

Detaillierte Informationen über die neue Orgel und über den Aufbau und die Funktion von Orgeln in den beiden folgenden Links und in den weiteren Artikeln auf dieser Seite.

Hartmut Hädrich

Freiburger Orgelbau

Homepage von Reiner Janke, Mitarbeiter der Fa. Freiburger Orgelbau



„Wir werden Bach neu hören – hoffen wir!“

Ein Werkstattgespräch zur neuen „Schuke-Späth-Orgel“ (Anfang 2012)

Bilder zum Artikel

Die Orgelbauer sind in der Marktkirche, der „Rohbau“ der neuen Orgel entsteht, die „alte“ Schuke-Orgel und die „neue“ Späth-Orgel werden zu einer neuen Einheit - der „Schuke-Späth-Orgel“ - verbunden. Am 27.01.2012 traf sich der Orgelausschuss in der Marktkirche, um den Fortgang des Orgelbaues zu sehen und letzte Feinheiten für die Farbgebung festzulegen.

Im Anschluss daran führten Dierk Landwehr und Dieter Schütze mit den Herren Beims, Dreyer, Ludwig, de Vries und Wesemann ein Gespräch über die Entstehungsgeschichte der „neuen“ Orgel.

Herr Wesemann stellt den Weg vom Anfang der Planung bis 2012 dar: Was gab den Anstoß zu diesem großen und mutigen Projekt und wie ging es weiter? Im Jahre 2006 stellte der neue Propsteikantor Gerald de Vries den Antrag an den Kirchenvorstand, die Schuke-Orgel reinigen zu lassen. Bei der Generalrenovierung der Marktkirche zur EXPO 2000 war sehr viel Staub angefallen, der in die Orgel eingedrungen war. Bei einer Überprüfung stellte sich außerdem heraus, dass die Rückseite der Orgel einen gewaltigen Schimmelbefall aufwies. Die Reinigung der Orgel sollte nach dem Angebot einer Orgelbaufirma 80.000 € betragen. Nach den Vorstellungen des Propsteikantors wäre es ein großer Gewinn für die Musik an der Marktkirche, wenn die Orgel zusätzlich so erweitert würde, dass sie auch für moderne Orgelkompositionen spielbar wäre. Der Kirchenvorstand beauftragte Herrn de Vries, entsprechende Angebote einzuholen.

Nach intensiven Diskussionen und Verhandlungen, in denen es darum ging, die Orgel nach den Vorschlägen des Kantors zu erweitern und umzubauen, beschloss der Kirchenvorstand am 17. Dezember 2008 den Auftrag über 450.000 € an die Freiburger Orgelbaufirma Späth zu vergeben. Das Geld sollte durch Fördergelder mehrerer Institutionen, durch Benefizkonzerte in der Marktkirche und den Erwerb von Pfeifenpatenschaften und Spenden aufgebracht werden.

Die erste größere Spende ging bereits im November 2006 ein. Die erste Patenschaft wurde im Dezember 2007 erworben. Zwischen 2008 und heute wurden auf der „alten“ Schuke-Orgel über 60 Benefizkonzerte unterschiedlichster Musikrichtungen - von Bach bis Jazz - gespielt. An dieser Stelle dankte Herr de Vries den zahlreichen Organisten und Organistinnen aus der Region für ihre starke Unterstützung. Durch diese Häufung von Konzerten und die musikalische Vielfalt auf der Orgel wurden völlig neue Hörerkreise erschlossen: damit wurde die Orgel ihrem Ruf als „Königin der Instrumente“ in der Marktkirche in ganz besonderer Weise gerecht.

Im Augenblick ist die Gesamtfinanzierung für die neue Orgel bis auf einen Rest von 6% (etwa 30.000 Euro) gesichert. Nach den ersten Impulsen - Reinigung, Schimmelbefall und Erweiterung des Klangspektrums - kam in der Planungsphase zum Orgelprospekt die Rosette im Westriegel der Marktkirche in den Blick. Diese war beim Orgelneubau im Jahre 1850 zugestellt worden. Auf Vorschlag des Architekturbüros Kleineberg sollte der Prospekt eine konkave Form erhalten, d.h. die größten Pfeifen werden an die Seiten gestellt, so dass die Rosette in der Mitte oberhalb der Orgel wieder sichtbar wird. Da es für viele Menschen schwierig ist, eine so komplizierte Zeichnung richtig umzusetzen, baute Herr Dreyer ein Modell des letzten Planungsvorschlages.

Dieses Modell steht nicht nur zur Ansicht in der Marktkirche, es wurde auch Ausgangspunkt für alle weiteren Diskussionen und ermöglichte den letzten Feinschliff für den Orgelprospekt! Nun mussten natürlich die Fenster an der Westseite der Kirche in die Gesamtplanung mit aufgenommen werden. Es gelang 2010, Herrn Prof. Schreiter, der bereits die Fenster im Hohen Chor gestaltet hatte, für die Neugestaltung der Fenster im Westwerk zu gewinnen. Ein Besuch in der Marktkirche und ein Blick auf den Orgelrohbau mit der Rosette im Hintergrund zeigt, wie glücklich diese Entscheidung war.

Auf die Frage, ob die Erweiterung der Orgel unbedingt nötig war, weil die „alte“ Schuke-Orgel doch erst gut 40 Jahre alt sei, erwiderte Herr de Vries: Die Schuke-Orgel war klanglich auf Kompositionen von Bach ausgelegt, d.h. es war eine Orgel mit sogenannter „neobarocker“ Intonation, wie es dem damaligen Zeitgeist (Nachkriegszeit) entsprach. Die neue Orgel umfasst sowohl die Möglichkeit, Bach zu spielen, als auch die Kompositionen der Moderne. In den 80er Jahren wandte man sich ab von dem klassischen Klang und bevorzugte einen weicheren, wärmeren Ton, der Orgelklang sollte gewollt emotionaler sein. Dieser neue Klang gibt nicht nur musikalisch eine größere Weite, sondern diese Offenheit und Weite soll auch im Theologischen erreicht werden. Die Firma Späth intoniert ihre Orgeln „offen für die Ohren“.

Wo ist die Verbindung zur Theologie? Die Orgel ist das zentrale Instrument in der Kirche und liefert einen wichtigen Beitrag zur Verkündigung; ihre Aufgabe ist es, die Ohren zu öffnen für das gesprochene (gepredigte) Wort.

Wie passt der neugestaltete Orgelprospekt in diese Harmonie?

Herr Beims erläutert: Man könnte den Prospekt als „die geordnete Unordnung“ bezeichnen. Die Stellung der Pfeifen unterliegt dem Zufallsprinzip, sie stehen wahllos nebeneinander und doch entdeckt man eine gewisse Ordnung: nicht zufällig ist die Zahl „Sieben“ zu finden; sieben Pfeifen haben goldene Labien, die die Ordnung in Gottes Schöpfung symbolisieren. Inhaltlich soll die unregelmäßige Anordnung der Pfeifen - das Chaos - durch das Erklingen der Orgel zur Ordnung kommen: „In der erklingenden Ordnung der Orgel wird aus dem Chaos Lob! - Und die Menschen spüren, dass in der Marktkirche durch die klaren Strukturen der Architektur, der Kunstwerke und durch die Orgel jetzt eine gewisse Ordnung gegenwärtig ist, die die Menschen brauchen und deswegen kommen die Menschen auch in die Marktkirche.“

Was uns ungeordnet und chaotisch erscheint, wandelt sich auch in der Musik zur Ordnung, zum Lobe Gottes. In einer ungeordneten Welt braucht und sucht der Mensch Ordnung. Das können wir symbolisch in der neuen Orgel wiederfinden. Die Verbindung zwischen der Orgel und der von Prof. Scheiter gestalteten Rosette ist gelungen und einmalig in der Marktkirche. Schreiters Grundelement der Klammer wiederholt sich im Orgelprospekt. Das ist wie ein Hinweis darauf, dass das Chaos der Welt in die große ruhige Form dieser „Schreiterklammer“ eingebunden ist, das Lob Gottes der Gemeinde symbolisierend.

Diese sehr moderne, zeitgemäße Orgel - „Wir sind der Versuchung, der Architektur der Orgel eine historisierende Form zu geben, nicht erlegen!“ - fügt sich stimmig in die klare Grundordnung der Marktkirche ein und erweckt bereits im Rohbau das Interesse vieler Menschen aus Goslar, aber auch über-regional, die voller Neugierde in die Marktkirche kommen, um die Ent-stehung der neuen Orgel zu erleben.

Was erhoffen wir uns von der neuen Orgel? Als erstes, dass die Orgel in ihrem Aussehen und mit dem neuen Klang von der Gemeinde angenommen wird. Wir sind eine „offene Kirche“ und hoffen, dass sich diese Offenheit des Klanges, das in gewisser Weise auch Ökumenische, das Transparente und die Emotionalität des Klanges in den Hörern und Hörerinnen spürbar wird, die Orgel mit ihrem neuen Klang die tieferen Schichten der Seele erreicht.

Die Schwelle in die Kirche, auch in den Gottesdienst wird niedriger werden. Zu guter Letzt erhoffen wir eine Bereicherung der Gottesdienste und einen die musikalische Vielfalt durchdringen-den neuen Klang zum Lobe Gottes:

„Wir werden Bach neu hören – hoffen wir!“

Dierk Landwehr und Dieter Schütze

Bilder zum Artikel



Schuke-Späth-Orgel abgenommen

Die Abnahme der neuen Orgel wurde am 27. April im Beisein vom Orgelsachverständigen Martin Hofmann und von Martin Schuseil von der Bauabteilung des Landeskirchenamtes von der Firma Freiburger Orgelbau vorbereitet.

Mitte Mai wird Propsteikantor de Vries eine CD aufnehmen, die voraussichtlich nach den Sommerferien produziert sein wird. (Bericht folgt!)



Bewegende Momente

Bildergalerie - Bilder vom Orgelwochenende vom 6.-8. Mai 2011



Drei Organisten verabschieden sich vom Instrument

Drei Abende, drei Orgelkonzerte!

Drei Mal hieß es Abschied nehmen und das auf so unterschiedliche Weise!

Den Anfang machte Kirchenmusikdirektor Klaus Dieter Kern, der 38 Jahre lang Kirchenmusiker an der Marktkirche war und die Orgel aus dem ff kennt. Das technisch sehr anspruchsvolle Konzert von Bach bis Reger bewegte die zahlreichen Konzertgäste tief. Langanhaltende standing ovations waren Ausdruck des Dankes, aber auch Reaktion darauf, dass mit diesem Konzert eine kirchenmusikalische Epoche an der Marktkirche zu Ende gegangen ist.

Am folgenden Abend präsentierte der Kern-Schüler und Goslarer Komponist Wolfgang Knuth eine "musikalische Reise durch die Welt" und zeigte die ganze Bandbreite der musikalischen Möglichkeiten des 20. Jahrhunderts auf. Sein Abschiedsstück für die Schuke-Orgel war ein argentinischer Tango, der die Gefühlslage der meisten ZuhörerInnen aufnahm: Melancholie ob des scheidenden Instrumentes, aber in allem auch Heiterkeit ob der Erwartung des Neuen.

Den dritten Orgelabend - damit den wirklich letzten an der Schukeorgel - gestaltete Propsteikantor Gerald de Vries mit einem musikalischen Blumenstrauß französischer Orgelliteratur. Wie an beiden Abenden zuvor, waren auch an diesem Abend einzelnen Stücken die Grenzen des alten Instruments deutlich zu Tage getreten. Der erneut lang anhaltende Applaus war schon von der Vorfreude auf das bald erneuerte Instrument erfüllt.

Und was manch' einer heimlich wünschte, wurde bei den Konzertnachgesprächen bei Wein und Schnittchen schon erörtert und lose vorgeplant: Wir werden im kommenden Jahr bei den 3. Orgeltagen alle drei Organisten wieder hören - dann an der neuen Orgel … und sind schon jetzt gespannt auf die Klangwelten, die sich auftun werden.

Ralph Beims



Kita Zum Markte legt sich für die Orgel ins Zeug

"Wir laufen für die neue Orgel" - unter diesem Motto haben sich die Mädchen und Jungen der Kita Zum Markte mit ihren FreundInnen und Familien bei herrlichem Wetter von der Kita aus auf den Weg gemacht, eine vorgegebene Strecke zurückzulegen. Die Läufer und Läuferinnen haben sich im Vorfeld einige SponsorInnen für ihren Lauf gesucht. Zu Beginn wurde das gespendete Geld in unseren "Glaspokal" gegeben und dann bekam jede/er Teilnehmer/in einen "Laufpass", der am Start, in der Mitte und am Ende der Strecke abgestempelt wurde.

Drei Strecken waren an diesem Tag im Angebot: 1,5 km, 2,9 km oder 4 km. Auf den beiden längeren Strecken gab es eine kleine Erfrischung und Stärkung für alle Beteiligten und die damit verbundene Gelegenheit zu einer kleine Ruhepause wurde gern genutzt.

Die drei Strecken führten zur Marktkirche. Dort wurde allen, die ihre Strecke erfolgreich beendet hat-ten, eine Urkunde überreicht und nun war Zeit, das Orgelfest gemeinsam zu genießen.

Für Spiel, Spaß und das leiblich Wohl war gut gesorgt. Die Kinder konnten Hüte kreieren, sich schminken lassen, eine Spardose in Form einer Orgelpfeife basteln oder sich eine Geldbörse falten. Bei Bratwurst, Suppe und einem großen Kuchenbuffet konnten sich alle FestbesucherInnen stärken.

Zum Orgelkonzert für Kinder hatten sich viele vor der Orgel eingefunden. Kann eine Orgel weinen und Angst haben oder fröhlich sein und feiern? Ja, wenn sie von Propsteikantor de Vries gespielt wird, dann kann es sogar in der Kirche donnern und regnen. Vögel singen und Räuber und Hirsche tauchen wie aus dem Nichts auf. Die Zauberin Flora (Franziska Liebl), die sich auf die Suche nach ihrem verschwundenen Zauberstab machte, erlebte einige Überraschungen als sie versuchte ohne Stab zu zaubern: "Lude, lode, lide, lade, ich möchte gerne Schokolade", doch es gab Spinat. Am Ende bekam sie aber von der kleinen Fee den entscheidenden Hinweis und konnte mit allen ein fröhliches Fest feiern. Mädchen und Jungen aus dem Hort hatten viel Spaß, dieses Konzert mit zu gestal-ten und genossen den großen Applaus!

Wir bedanken uns herzlich bei allen, die zum Gelingen des Festes beigetragen haben, besonderen Dank an die Läufer und Läuferinnen und ihre SponsorInnen für ihre Geldspenden und ihren Einsatz.

Marina Schoger, Karin Liebl



Genießen für die Orgel - Benefiz-Essen in der Kirche

Wer nicht dabei sein konnte, hat etwas verpasst - das war die einhellige Meinung nach dem genussvollen Abend in der festlichen Marktkirche am 19. Mai.

Das Team der "Butterhanne" hatte ein köstliches Buffet im Seitenschiff aufgebaut. Dazu gab es gesponsertern Wein aus Baden und aus Württemberg, wo die Firma Späth zu Hause ist. Die Nachspeisen waren von den Mitarbeiterinnen der Kita Zum Markte gezaubert worden. Gut abgestimmte musikalisch-kulturelle Beilagen wurden von Stefanie Spree auf der Flöte, Gerald de Vries am Klavier, Ralph Beims, Bariton, von STRING ART unter der Leitung von Annette Zell und der Band "Conny Buhl und Freunde" dargeboten. So entstand ein inspirierendes Menu für Leib und Seele.

Unser herzlicher Dank geht an alle SponsorInnen und Mitwirkenden für die großartige Unterstützung des Orgelprojektes!

Karin Liebl



Klang der Zeit - Literaturm

Aborgeln und Lesung am 8. Mai 2011

Klang der Zeit - schwingt durch uns hindurch zurück in die Welt

Auf besinnliche - philosophische - theologische und nicht zu vergessen auf musikalische Art wurde am Sonntagabend Abschied von der Schuke-Orgel genommen. Das für diese Anlässe prädestinierte Team aus Imogen Liersch und Dierck Landwehr (Lesung), Ralph Beims (Gesang) und Gerald de Vries (Orgel) , verstärkt durch Propst Helmut Liersch als Rezitator, gestalteten einen wundervollen Abend, den die Zuhörer sicherlich nicht so schnell vergessen werden. Die Themen Klang und Hören wurde in einem weiten Bogen behandelt.

Beginnend mit dem Kind im Mutterleib, welches den Klang der Mutter schon erkennt und ihn sein Leben lang verinnerlicht, über die Aufrufe zu Hören im Buddhismus, dem Koran und der Bibel bis hin zu Luther und Goethe wurde das Thema analysiert und dem Zu"hörer" näher gebracht.

So sprach Jesus: "wer Ohren hat zu hören, der höre" (Markus 4,9, Mt 11,15.) Im Buch Mose ist 91 mal vom "Hören" die Rede. "Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme" finden wir in Johannes 18, 37. Von Luther stammen die Zeilen ".. und warten bis der betende Gott hört". "Wer Ohren hat zu hören, der sieht Hören und Sehen als Einheit" stammt von Goethe.

Eindrucksvoll war eine Meditation von Dierck Landwehr als Leser, gleichzeitig begleitet von Gerald de Vries mit einer Fuge an der Orgel, bei der sich Text und Musik mischten. Verbunden mit der Ewigkeit - schwingt durch uns. Von Imogen Liersch hörten wir, dass auch taube Menschen hören, weil sie den Klang mit dem Körper spüren.

Die Musik ersteckte sich von Orgel- und Gesangsstücken von Bach, Mahler, Schubert, Schumann und Brahms, die von Gerald de Vries und Ralph Beims wieder einmal eindrucksvoll dargeboten wurden.

Als Kontrapunkt gab es ein noch Stück vom Gettoblaster (Cassettenrecorder) gesungen von Herbert Grönemeier "Sie mag Musik nur, wenn sie laut ist" (das Kirchenpublikum an dieser Stelle etwas ratlos.. - aber es gibt auch andere Klänge, die viel und gerne gehört werden.).

Propst Helmut Liersch trug am Schluss einen versöhnlichen Text "So strömt der Orgel Klang…", der sehr gut zum Abschied von der Orgel passte.

Ein stimmungsvoller Abschied, bei dem sicherlich einigen Zuhörern wehmütig ums Herz wurde. So verklangen es dann mit dem gemeinsam gesungenen Choral "Großer Gott, wir loben Dich" - die endgültig letzen Klänge der Schuke-Orgel.

Ein Videoclip mit den letzen Klängen der Orgel liegt im Gemeindebüro vor.

Hartmut Hädrich

Bildergalerie - Bilder von der Abschiedsveranstaltung am 8. Mai 2011

Fotos: Hartmut Hädrich


Die orgellose Zeit an der Marktkirche hat begonnen

Wer in diesen Tagen die Marktkirche besucht, sieht dort, wo normalerweise die Orgel thront, nur eine Baustelle. Nach dem 2. Orgelfest wurde der obere Teil des Instruments demontiert und nahezu das gesamte Pfeifenmaterial nach Freiburg transportiert. Dort laufen jetzt die Arbeiten an unserer Orgel auf Hochtouren.

Wie geht es nun weiter?

Zunächst einmal sorgt die von der Firma Freiburger Orgelbau zur Verfügung gestellte Truhenorgel dafür, dass in den kommenden Wochen der Gemeindegesang nicht ganz ohne Begleitung sein muss. Das ist eine Behelfslösung, die manch eine oder einen vielleicht sogar anspornt, etwas kräftiger als gewohnt zu singen. Orgelkonzerte sind allerdings auf diesen kleinem Instrument nicht möglich.

Voraussichtlich im November werden sich die Arbeiten an der Orgel wieder für uns sichtbar in der Marktkirche abspielen. Die Orgel, die in Freiburg fast komplett fertiggestellt sein wird, wird dann wieder demontiert und in Goslar an Ort und Stelle aufgebaut werden.

Zu Beginn des Jahres 2012 wird das Instrument dann intoniert, das heißt klanglich auf den Kirchenraum eingestellt und für die feierliche Inbetriebnahme zu Ostern 2012 vorbereitet werden.

Doch bis dahin wird es uns gut tun, einmal eine orgellose Zeit zu erleben; denn solche großen klanglichen Veränderungen brauchen eine Zeit der klanglichen Enthaltsamkeit, damit wir das Neue im ganzen Reichtum erfassen können.

Ralph Beims



Arbeiten an der Marktkirchenorgel in Freiburger Werkstatt sind im vollen Gange

Bei sommerlichen Temperaturen werden gerade die Gehäuseteile für das neue Schwellwerk im Hof der Firma Freiburger Orgelbau lackiert. Heute werden auch die Windladen fertig. Ab morgen wird mit dem Aufbau des Gehäuses und den Windladen im speziellen Montagesaal begonnen. Die Pfeifen sind zum größten Teil vorintoniert und werden bald auf den Laden einrastriert.

In ziemlich genau einem Monat, ab 9. Mai, wird die Orgel in der Marktkirche abgebaut. Tilman Späth wird dann am 11. und 12. Mai in der Marktkirche vor Ort sein und gemeinsam mit dem Orgelausschuss der Marktgemeinde weitere Details wie z.B. die genaue Farbgebung des Prospekts erörtern. Dann geht es weiter mit der Renovierung der Orgelanlage und des Spieltisches sowie der Nachintonation der vorhandenen Register.


Ralph Beims




Die Orgel der Marktkirche bekommt ein neues Gesicht

Die Entscheidung ist gefallen:

Die Marktkirchenorgel bekommt im Rahmen der Erweiterung und des Umbaus ein völlig neues Gesicht!

Seit einem guten halben Jahr haben Mitglieder des Kirchenvorstandes, Vertreter der landeskirchlichen Bauabteilung und der Denkmalpflege, der Propsteikantor Gerald de Vries, der designierte neue Orgelsachverständige der Landeskirche Martin Hofmann und die Architekten der Fa. Kleineberg und Pohl um das zukünftige Erscheinungsbild der Orgel gerungen. Waren zunächst alle von dem bisher veröffentlichten Prospektentwurf angetan, der die Prospektpfeifen freistehend und in geschwungener Linie zeigt, so überwogen mit der Zeit die Bedenken: Zum einen wurde fragwürdig, ob dieser Prospekt in der Lage wäre, das neu zu errichtende Orgelwerk vollständig hinter sich zu verbergen. Zum anderen überwog immer stärker der Eindruck, dass das neue Klangkonzept nicht in Übereinstimmung stehen würde mit dem optischen Erscheinungsbild.

Aufgrund dieser Gedanken wurde im Sommer das Fass noch einmal aufgemacht und nach einer Lösung gesucht: Gesetzt war, dass die Fensterrosette möglichst gut sichtbar sein sollte. Außerdem war wichtig, dass der Prospekt der Marktkirchenorgel Ausdruck einer zeitgemäße Formensprache sein sollte.

So entwickelte die Orgelbaufirma Späth im Zusammenarbeit mit der Firma Kleineberg und Pohl eine Form, die in sich zunächst klar und eindeutig ist. Die Prospektpfeifen dagegen sind unregelmäßig, ja beinahe chaotisch vor dieser Form platziert. Sieben Pfeifen ragen gar über die Form hinaus. Darüberhinaus sind einige Pfeifen durch goldene Labien herausgehoben.

Es entsteht dadurch eine optische Tiefe von Form und Unordnung, die auf die Spannung von Chaos und Schöpfung verweist. Im harmonischen Erklingen der Orgel, so ist der theologische Gedanke, wird in gewisser Weise der Akt der Schöpfung, nämlich der Übergang von Chaos zur Ordnung wiederholt. Die Bedeutung der Orgel als Instrument der Verkündigung wird damit unterstrichen.

Der Weg zum neuen Prospekt wurde einmütig beschritten und von allen daran Beteiligten einstimmig abgesegnet. Das ist ein gute Vorgabe. Denn ein modernes Erscheinungsbild einer Orgel, dass nicht sofort an andere Orgeln erinnert, wird vermutlich in gleicher Weise Reaktionen hervorrufen wie zeitgenössische Kunst. Und das wohl unvermeidlich und auch so gewollt. Was nun ansteht, sind viele kleine Entscheidungen, denn zahlreiche Lösungen von Detailproblemen müssen gefunden werden. Im Moment geht es z.B. um die Gestaltung eines neuen Pultes, um die farbliche Fassung des Spieltischs und die Beleuchtung. Propsteikantor de Vries ist im ständigen Kontakt mir den Orgelbauern, um die technische Ausführung abzustimmen. Auch einige statische Probleme müssen noch gemeistert werden.

In jedem Fall dürfen wir auf das Ergebnis gespannt sein!

Ralph Beims




Das neue Schwellwerk der Orgel ist im Werden

Bereits seit Anfang dieses Jahres entsteht in der Freiburger Orgelbauwerkstatt Späth unser neues Schwellwerk. Pfeifen für viele neue Register liegen zum Einbau bereit und werden in der Werkstatt vorintoniert, bevor sie dann in der Marktkirche klanglich an unseren Raum angepasst werden. Die Windladen sind gebaut und Schwell türen sind angefertigt, um in den Schwellkasten, der in diesen Tagen am Entstehen ist, eingepasst zu werden. Auch die größten Pfeifen (der Untersatz 32‘) liegen schon in Freiburg bereit und warten auf ihren Einsatz in Goslar. Mitte Mai wird unsere Schuke-Orgel zu einem erheblichen Teil demontiert und dann in Freiburg überarbeitet und erweitert.

Direkt nach dem Einbau der neuen Schreiter-Fenster beginnt der Aufbau des Schwellwerkes in Goslar, während in Freiburg der „alte“ Teil der Orgel wieder auf den neuesten Stand gebracht wird. Ostern 2012 wird sich die Orgel in neuem Glanz präsentieren!

Ralph Beims, Gerald de Vries




Entwürfe für neue Fenster auf der Westseite der Marktkirche

Prof. Schreiter entwirft Rosette und die vier romanischen Fenster - das dritte Projekt von Johannes Schreiter in Markt: nach dem Hohen Chor und dem Tauffenster

Dierk Landwehr, Wilhelm Wesemann, Johannes Schreiter mit Ehefrau und Regine Wilde betrachten die Entwürfe für die Marktkirche

Die Schreiter-Fenster im Hohen Chor unserer Marktkirche, gestaltet in den Jahren 1992 bis 2003, sind zu einem Begriff für moderne Glaskunst in Kirchenfenstern gegen Ende des vergangenen Jahrhunderts geworden. "Unsere" Schreiter-Fenster im Altarraum und das Tauffenster mit romanischer Engelscheibe in der Südapsis sind über die Grenzen Goslars bekannt geworden und reihen sich ein in die in den vergangenen Jahrzehnten von einem der bedeutendsten Glaskünstler geschaffenen Kirchenfenstern, wie z.B. in der Heilig-Geist-Kirche in Heidelberg, im Augsburger und im Ulmer Münster.

Im Zuge der Orgelrenovierung wurde die Frage relevant: wie soll der Orgelprospekt aussehen und welche Rolle spielt in dem Zusammenhang das bis dato von innen nahezu unsichtbare Rundfenster im Westriegel? Aus diesen Überlegungen ist dann ein Gesamtkonzept für alle fünf Kirchenfenster auf der Westseite geworden - Rosette plus die vier romanischen Fenster. Und nun liegen die Entwürfe vor für die Westseite, traditionell als die "dunkle Seite" im Kirchenbau gesehen, weil das Licht des Tages zur Neige geht. Gleichwohl kommt auch dieses Abendlicht aus der gleichen Quelle wie das Morgenlicht im Osten: "alles ist Licht", göttliches Licht! Und dieses Licht soll ab Pfingsten 2011 auch durch die Rosette auf der Westseite in die Marktkirche fallen, später dann über dem erneuerten Orgelprospekt - nahezu von jedem Ort im Kirchenschiff sichtbar.

Johannes Schreiter versteht es, wie kaum ein zweiter, Glaube und Kunst in seinen Kirchenfenstern zu verbinden und lässt das Licht wie im Hohen Chor der Marktkirche zu einem sinnlich-spirituellen Erlebnis werden, unverwechselbar von außen kommend und doch in uns wirkend.

Wer diese Formen und Farben mit ihrem symbolischen Ausdruck in den meditativen Bildern am Sonntagmorgen im Gottesdienst, vom Licht getragen - mit oder ohne Sonne - wahrnimmt, erlebt und wirken lässt, spürt vielleicht an und in sich selber, wie Johannes Schreiter es formulierte, "eine Aufforderung an die Gemeinde: seid still und erkennt, dass ich Gott bin!"

In der Rosette auf der Westseite sollte das "Lob Gottes" künstlerisch zum Ausdruck kommen, das war die Idee, die dem Entwurfsauftrag an Prof. Schreiter zugrunde lag. Und die Spannung war entsprechend groß: wie würde der Entwurf aussehen? Und würde dem Glaskünstler nach den Fenstern im Hohen Chor und dem Tauffenster auch beim dritten Projekt etwas ähnlich Faszinierendes gelingen?

Die neuen Entwürfe von Schreiter für die Westseite der Marktkirche zeigen sein Konzept für das Rundfenster, die Rosette und die vier kleineren romanischen Fenster unterhalb der Rosette.

Vier Mitglieder des Kirchenvorstandes aus dem Orgel- bzw. Kunstausschuss haben sich die Entwürfe im Atelier von Prof. Schreiter in Langen bei Frankfurt/Main angesehen und waren begeistert und berührt von Farbgestaltung, Formgebung und Wirkung, die selbst als in "Papierform" und im Maßstab 10:1 tiefen Eindruck bei uns hinterlassen, so intensiv und inspiriert führt der Glasmaler auch hier "Glaube und Kunst" zusammen.

Und: wie werden wir die fünf neuen Schreiter-Fenster erst wahrnehmen und erleben, wenn sie "Glas geworden" sind und im Westriegel nach außen zum Brusttuch hin und nach innen in Verbindung mit dem Orgelprospekt Licht, Form und Farbe entfalten?!

Der gesamte Kirchenvorstand der Marktgemeinde hat dann die Schreiter-Entwürfe Mitte November auf seiner Klausurtagung - ebenfalls sehr positiv aufgenommen, intensiv beraten und sich einhellig für die Umsetzung dieser Entwürfe für alle fünf Glasfenster im Westriegel unserer Kirche entschieden. Unsere zeitliche Planung sieht vor, das Gesamtensemble "Moderne Glaskunst im Westriegel der Marktkirche" am Pfingstsonntag 2011 der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Und - möge es uns gemeinsam in der Gemeinde, in der Welterbestadt Goslar und Umgebung gelingen, auch die finanzielle Seite dieses neuen Projektes moderner Glaskunst zu bewältigen, zusammen mit dem unserem Orgelprojekt, in einer an sakralen und profanen Bauwerken so überwältigend reichen "Region Harz" zwischen Hannover, Braunschweig.

Text: Dierk Landwehr Fotos: Ralph Beims


Das Orgelprojekt kommt in "heiße Phase"

Das Orgelprojekt in der Marktkirche wird im kommenden Jahr in die Phase treten, in der sichtbare Maßnahmen erfolgen. Wenn alles nach Plan läuft, dann wird die Schuke-Orgel Anfang Mai 2011 aus der Marktkirche ausgebaut und in die Werkstatt der Fa. Freiburger Orgelbau transportiert werden. Die Pfeifen werden dann in Freiburg gereinigt, überholt und auf den Klang des neuen, noch zu bauenden Werkes abgestimmt. Vorher wird es noch ein sogenanntes Aborgeln geben, ein Fest, bei dem wir von der bisherigen Orgel Abschied nehmen.

Prof. Johannes Schreiter, der uns Anfang September kurz besuchte, will versuchen, im Winter 2011 einen Entwurf für die Fensterrosette vorzulegen. Dann könnte es sein, dass wir im orgellosen Sommer 2011 die neuen Glasfenster in der Marktkirche präsentieren könnten. Die erneuerte und erweiterte Orgel könnte dann Ende des kommenden Jahres oder zu Beginn des Jahres 2012 fertig sein … Aber das ist noch Zukunftsmusik!

Foto: Marktgemeinde

In diesen Tagen beschäftigt uns vor allem die Endgestalt des zu erneuernden Orgelprospekts, also der optischen Gestaltung der Orgel. Die Richtung ist im Grunde von Anfang an klar, aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Außerdem geht es in den kommenden Monaten darum, die Finanzierung des Projekts zu vervollständigen. Es fehlen uns von den veranschlagten Kosten von ca. einer halben Million Euro noch 10 %, also immerhin 50.000 Euro. Das ist eine große Summe! Allerdings sind wir zuversichtlich, dass wir weiterhin auf Ihre Unterstützung zählen können - sei es durch den Besuch eines der zahlreichen Benefizkonzerte oder durch Ihre großzügige Spende!

Ralph Beims