EVANGELISCHE KIRCHE IN DEUTSCHLAND

Aufbrechen um Zukunft zu gestalten

Das Perspektivpapier der EKD "Kirche der Freiheit" soll breite Diskussionen auslösen

Mit den Stichworten demographische Umbrüche, finanzielle Einbußen, die Spätfolgen zurückliegender Austrittswellen, hohe Arbeitslosigkeit und globalisierter Wettbewerb sind herausfordernde Themen der Gesellschaft und damit auch der evangelischen Kirche genannt. Auf diese - zum Teil schwer zu beeinflussenden Faktoren - kann unterschiedlich reagiert werden, weiß der Rat der EKD. In einem Anfang Juli veröffentlichten Impulspapier sieht das Leitungsgremium der Kirche mit über 26 Millionen Mitgliedern drei Alternativen: Das bisherige Handeln so fortführen wie bisher; alle Aktivitäten entsprechend der sich verändernden Realitäten gleichmäßig abschmelzen oder aktiv das Umbauen, das Umgestalten und das Neuausrichten der kirchlichen Arbeit zu gestalten. Um diese dritte Alternative anzugehen, hat der Rat das Impulspapier "Kirche der Freiheit. Perspektiven für die evangelische Kirche im 21. Jahrhundert" veröffentlicht.

In zwölf "Leuchtfeuern" werden Herausforderung, sich daraus ergebende Aufgaben und die möglichen Ziele benannt. Damit ist das Impulspapier kein fertiges Rezeptbuch für eine Strategie der kommenden Jahre, sondern eine Diskussionsgrundlage für die nächsten Wochen und Monate. "Es gehöre zum Selbstverständnis reformatorischer Kirchen, Kurskorrekturen durch theologische Reflexion und innerkirchlichen Diskurs zu steuern", schreibt der Vorsitzende des Rates der EKD, Bischof Wolfgang Huber im Vorwort zu dem Impulspapier. Vier biblischen Grundannahmen folgend sollen möglichst viele in der Kirche an vier Schwerpunkten mit diskutieren: "Geistliche Profilierung statt undeutlicher Aktivität" - "Schwerpunktsetzung statt Vollständigkeit" - "Beweglichkeit in den Formen statt Klammern an Strukturen" - "Außenorientierung statt Selbstgenügsamkeit".

Ein Aufbruch sei in den Handlungsfeldern in den kirchlichen Kernangeboten, bei allen kirchlichen Mitarbeitenden, beim kirchlichen Handeln in der Welt und bei der kirchlichen Selbstorganisation nötig. Die zwölf Leuchtfeuer verdeutlichen in diesen vier Handlungsfeldern, in welche Richtung die Autoren des Impulspapiers denken. Vorangestellt ist den 12 Leuchtfeuern jeweils der Satz "Auf Gott vertrauen und das Leben gestalten" dann schließen sich folgenden Unterpunkte an:

  1. Den Menschen geistliche Heimat geben.
  2. Die Vielfalt evangelischer Gemeindeformen bejahen.
  3. Ausstrahlungsstarke Begegnungsorte evangelischen Glaubens schaffen und stärken.
  4. Durch geistliche Kompetenz, Qualitätsbewusstsein und Leistungsbereitschaft bei den Menschen Vertrauen gewinnen.
  5. Das Priestertum aller Getauften und das freiwillige Engagement als Kraftquellen der evangelischen Kirche fördern.
  6. Den Beruf der Pfarrerinnen und Pfarrer als Schlüsselberuf der evangelischen Kirche stärken.
  7. Evangelische Bildungsarbeit als Zeugnisdienst in der Welt verstehen.
  8. Diakonie evangelisch profilieren.
  9. Themenmanagement und Agenda-setting bewusst stärken.
  10. Die finanzielle Solidarität aller Kirchenmitglieder stärken und ergänzende Finanzierungssysteme etablieren.
  11. Die Konzentration der Kräfte auch in den Landeskirchen vorantreiben.
  12. Die EKD-Ebene für ein "Evangelisch in Deutschland" profilieren.

Doch die Überschriften allein sagen noch nicht viel - nachzulesen ist der Text im Internet. Dort findet sich auch ein Diskussionsforum, in dem Kommentare, Ergänzungen, Kritik und Vorschläge eingetragen werden können. Schauen Sie doch mal rein: Kirche der Freiheit


Ralph Beims