Spende an die Marktkirchenbibliothek

Eine antiquarische Rarität aus der Reformationszeit wird demnächst in der altehrwürdigen Marktkirchenbibliothek zu finden sein. Aus Privatbesitz erfolgt eine Schenkung der berühmten "Mansfeldischen Chronik" von Cyriakus Spangenberg (1528-1604). Er entwickelte sich zu einem etwas halsstarrigen Lutheraner, der alle Aufweichungen erbittert bekämpfte. Er war wohl auch der Erste, der Luthergedenktage einführte. Nach 25jähriger Tätigkeit als Pfarrer und Dekan in Eisleben, wurde er durch mancherlei kirchliche und politische Querelen (die Mansfelder Grafen waren tief zerstritten) des Landes verwiesen und nach unruhigen Ortswechseln starb er 1604 in Straßburg.

Dieser Tatbestand zeigt aber nicht den "ganzen" Spangenberg. Denn er war auch Dichter und Schöngeist. Von seinen eigenen Liedern findet sich der schöne Osterchoral "Wir wollen alle fröhlich sein" in unserem Gesangbuch. Überliefert sind auch seine Predigten über Lieder Martin Luthers.

In der Fachwelt ist er allerdings bekannt durch seine historischen Werke, besonders durch die "Mansfeldische Chronik" von 1571 (2.Auflage 1585). Schon der erste Eindruck vermittelt, dass es sich um eine sorgfältige, übersichtliche und sehr faktenreiche Arbeit handelt. Nach einer Einführung werden die Quellen genannt, die er benutzt. Die Chronik selbst beginnt wie die Bibel mit der Schöpfung, wobei das zeitgenössische Wissen (die Erde als Kugel) zum Zuge kommt (allerdings ohne Berücksichtigung des Kopernikus). Die Chronik endet mit dem Jahr 1571.

Die Chronik ist ein sehr bunter Strauß aller möglichen Tatsachen und Kenntnisse. Da erfahren wir viel aus der alten Völkergeschichte, dann von den Verhältnissen der Mansfelder Grafschaft. Ausführlich wird eine Polizeiordnung der alten Deutschen zitiert, die Hunnenkriege werden erwähnt und andere Verheerungen. In unseren Bereich gehören das Goslarer Blutpfingsten von 1063, die Herrschaft von Ringelheim und die Hildesheimer Stiftsfehde. Schlachten und politische Bündnisse werden zuhauf genannt und mitunter ausführlich beschrieben. Besonders vermerkt werden die Anfänge des Mansfelder Bergbaus um 1200. Neben dem politischen und wirtschaftlichen Bereich spielen Naturkatastrophen, Pest- und Krankheitsausbreitung, Unglücke und Ernteverhältnisse eine große Rolle.

Die Reformation nimmt in dieser Chronik wohl deshalb keinen großen Raum ein, weil sie in einem Folgeband behandelt werden sollte. Luthers Tod am 17.Februar 1546 in Eisleben findet nur eine kurze Erwähnung. Erstaunlich ausführlich behandelt Spangenberg die Vorkommnisse um Thomas Müntzer mit viel Originaltexten. Reichstage wie die von Speyer (1526) und Regensburg (1530) sind ihm natürlich immer wichtig.

Kurz gesagt: Spangenbergs Horizont ist zum einen außerordentlich weit und mit weltpolitischen Akzenten versehen, zum anderen aber auch eng, kleinteilig und lebensnah. Ein gerechtes Urteil würden wir finden, wenn wir unsere Fähigkeiten in Bezug auf unsere eigene Zeit in den Blick nähmen.

Die Liste der europäischen Bibliotheken, die über die "Mansfelder Chronik" verfügen, ist nicht lang, weist aber viele klangvolle Namen wie die Staats- und Universitätsbibliotheken von Wien, München, Heidelberg und Köln auf. Nun gehört auch Goslar in diese illustre Schar.

Christin Wiesjahn