Der Theologische Gesprächskreis mit Propst i.R. Liersch

Termine des Theologischen Gesprächskreises

Die Geschichte des Theologischen Gesprächskreises

Bildergalerie Theolgischer Gesprächskreis

Gegründet wurde der Kreis von Propst Dr.Otmar Hesse, im Jahr 2000 standen 8 Teilnehmer auf der Liste.

Am 23.März 2001 wurde der Theologische Gesprächskreis unter der Leitung und Moderation von Herrn Liersch nach einer längeren Pause wieder ins Leben gerufen. An der ersten Veranstaltung nahmen 4 Teilnehmer (incl. Ehepaar Liersch!) teil.

Diese geringe Beteiligung sollte sich jedoch schnell ändern. Bereits am 26.April 2001 saßen 12 Interessierte in der Runde.

Bis 2003 wurden überwiegend biblische Texte durchgesprochen, die jeweils an einem der kommenden Sonntage Grundlage der Predigt waren. Im Oktober 2001 wurde angesichts der Zerstörung des World Trade Center über die Klagelieder des Jeremia gesprochen; auch einzelne biblische Gestalten wie Johannes der Täufer standen im Mittelpunkt. Weiterhin wurde in diesem Zeitraum über Johannes 20 1-18, Johannes 4 19-26, Matthäus 6 1-4, Jesaja 58 1-9, Hebräer 12 1-3 gesprochen.

2003 ging der Theologische Gesprächskreis dann dazu über, ganze biblische Bücher zu lesen.

So beschäftigte sich die Gruppe im Jahr 2003 ausschließlich mit dem alt-israelitischen Propheten Amos, einem Systemkritiker im damaligen Nordreich (Israel), 2004 wurde das Markus-Evangelium behandelt, in dem die Konfrontation Jesu mit den religiösen Eliten der damaligen Zeit einen breiten Raum einnimmt. Seit Mitte 2005 ging es um den 1. Korintherbrief, in dem Paulus ein revolutionäres Gesellschaftsbild entwirft und den Begriff "Kirche" definiert. Im Jahr 2007 haben wir das Apostolische Glaubensbekenntnis und andere frühe Bekenntnisse behandelt. Von 3 Teilnehmern wurde jeweils ein neues Glaubensbekenntnis erarbeitet. Die Texte wurden anlässlich der Visitation durch Landesbischof Dr.Weber im Gottesdienst am 14.Oktober 2007 vorgetragen.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der Kreis eine Beteiligung von 20-25 Personen, auf der Einladungsliste standen erheblich mehr.

Spannend war auch die Beschäftigung mit der Frage, wie das Alte Testament im Neuen Testament ausgelegt wird (Biblische Hermeneutik). An eindrucksvollen Beispielen wurde deutlich, in welchem Maß die frühen christlichen Texte Motive und Erzähltraditionen aus der Glaubensüberlieferung des alten Israel aufnehmen.

Praktisch das gesamte Jahr 2008 und Teile von 2009 (bis Juni) standen im Zeichen des Römerbriefes des Apostels Paulus. Es wurde deutlich, dass es sich um die wohl wichtigste christliche Schrift der Antike handelt, zumal dort erstmals der neue Glaube begrifflich reflektiert wird. In diesem Zusammenhang wurde die Rechtfertigungslehre, die u.a. besagt, dass der Mensch allein durch den Glauben und nicht durch Werke vor Gott gerecht ist, ausführlich behandelt. Über dieses Thema, welches ein zentrales Element speziell des evangelischen Glaubens ist, wurde am 30. Oktober 2008 auch eine öffentliche Veranstaltung mit Gästen im Rahmen der Amsdorfwoche durchgeführt, Thema: "Luther und der Römerbrief - der reformatorische Durchbruch" - mit lebhafter Beteiligung.

Das Thema, mit dem sich der Gesprächskreis seit 2009 beschäftigte, war die Urgeschichte im 1.Mosebuch (Genesis 1-11). Es ist, wie sich Abend für Abend herausstellte ein hochspannender und aktueller Abschnitt der Bibel, der häufig unzureichend oder fehlerhaft interpretiert wird. Beendet wurde dieses Thema Anfang 2014. Aus der Dauer der Behandlung dieses Themas über mehrere Jahre kann man ermessen, wie intensiv diese Materie, beginnend mit den beiden (!) Schöpfungsgeschichten , behandelt wurde.

Am 12. September 2010 fand in der Marktkirche ein Vortrag von Prof.Jan Assmann über das Thema "Wandel des Göttlichen in der alten Welt" statt. Siehe auch Info über die Veranstaltung, sowie Download. Über dieses Thema wurde danach im Theologischen Gesprächskreis diskutiert

Es folgte das schwierige Thema der Trinität, welches Thema in mehreren Konzilien im 1. Jahrtausend n. Chr. war, und welches auch die Texte der Glaubensbekenntnisse im Christentum in hohem Maße beeinflusst hat.

In diesem Kontext hat sich der Kreis damit beschäftigt, welche Auswirkungen der Streit um die Trinität im 16. Jahrhundert in Goslar hatte.

Neustart 2011

Als Propst Helmut Liersch im September 2011 in den Ruhestand ging, kam aus dem Kreise der Teilnehmer des Theologischen Gesprächskreises der starke Wunsch, diesen Arbeitskreis auch über seinen Ruhestandstermin im Oktober hinaus weiterzuführen (s.u.). Nach einem Treffen im September 2011 und der folgenden "Eingewöhnung" von Herrn Liersch in den Ruhestand fand am 23. Februar mit ca. 25! Teilnehmern (die Stühle wurden knapp) der Auftakt für die Fortsetzung statt. Propst i.R. Liersch brachte noch einmal eine Zusammenfassung der beiden Schöpfungsgeschichten aus "Genesis", damit auch die neuen Mitglieder des Kreises auf den aktuellen Wissensstand gebracht wurden. Der Kreis dankte Propst i.R. Helmut Liersch für die Bereitschaft, den Kreis weiter zu führen! Wir sind nämlich noch lange nicht fertig mit den "Büchern"!

Seit Mitte 2014 wurden, die Unterschiede der 4 Evangelien und die unterschiedlichen "Christusbilder" im Besonderen behandelt. Darauf aufbauend wird seit Dezember 2014 das Matthäusevangelium behandelt. Damit erfolgt auch eine Auseinandersetzung mit der Person Jesus von Nazareth.Insbesondere faszinierte uns in diesem Zusammenhang die Bergpredigt . Seit Anfang 2017 wird - wie könnte es anders sein - über die Reformation gesprochen. Dabei spielen die Vorkommnisse in Goslar und die damit in Verbindung stehenden Schriften in der Marktkirchenbibliothek, eine besondere Rolle.

Während der Treffen werden die einzelnen Kapitel zuerst von Propst i.R. Liersch vorgelesen, anschließend befasst sich jede und jeder Einzelne für ein gewisse Zeit allein mit dem Thema. Anschließend wird von den Teilnehmern eine Erklärung und Deutung des Textes vorgetragen, mit dem Schwerpunkt, welche Fragen, Einfälle oder Widersprüche es zum Text gibt. Anschließend lüftet Propst Liersch in einer Art Vorlesung "die letzten Geheimnisse und die eigentliche Bedeutung" des Textes.(Auslegung)

Dabei zeigt sich häufig, dass eine exakte Interpretation nur durch entsprechendes Hintergrundwissen und Auslegungen sowie durch Kommentare erarbeitet werden kann. Es sind die theologischen und religionsgeschichtlichen Informationen, die wichtig für das korrekte Verständnis der Texte und der geschichtlichen Vorgänge in der Zeit der Entstehung der Bibeltexte sind. Exkurse in die griechische und hebräische Texte Urfassung werden gelegentlich zur Verdeutlichung herangezogen.

Erstaunlich dabei ist immer wieder die Aktualität der Bibeltexte, welche, obwohl sie zwischen 2800 und 1900 Jahre alt sind, starken Bezug zur unmittelbaren Gegenwart haben. Angesichts dieser Bezüge kommt es immer wieder zu lebhaften Debatten.

Angesichts der Tatsache, dass manche Bücher über mehrere Jahre lang Thema sind, lässt sich ermessen, dass sehr in die Tiefe gegangen wird, um die eigentliche Bedeutung der Texte zu ergründen. Langweilig wird es dabei nie! Es entwickeln sich meistens lebhafte, manchmal sogar heftige Diskussionen; manchmal "rauchen die Köpfe". Die Rechte und die Bedeutung der Frau, die in den alten Texten oft nur wenig oder versteckt zu erkennen sind, werden häufig von Frau Liersch herausgearbeitet und energisch verteidigt.

Nach dieser Beschreibung könnte man meinen, es handele sich um eine ausgesprochen ernste Veranstaltung. Doch dies ist nicht so. Es wird auch häufig gelacht! Durch regelmäßige Teilnahme erwerben die Teilnehmenden ein umfangreiches und fundiertes Wissen auf dem Gebiet der Theologie und der Religionsgeschichte.

Besondere Erwähnung verdient auch die hervorragende Versorgung der Gesprächsteilnehmer mit informativem und anschaulichem Informationsmaterial aus der theologischen Fachliteratur.

Der Kreis hat etwa 40 feste InteressentInnen und eine durchschnittliche Anwesenheitsquote von ca. 20 Personen, er findet einmal im Monat statt, immer donnerstags (Termine s.o.).

Hartmut Hädrich